Wirtschaft : Was nun, Herr Sommer?

NAME

Berlin (pet). Der Nachfolger ist gekürt, die Börse vorerst vertröstet. Nur einer hat ein Problem: Ron Sommer. Bis Dienstagabend war er Chef des Weltkonzerns Deutsche Telekom, mit einem Jahresgehalt von geschätzt rund drei Millionen Euro, einem Firmenjet, einer Schar von Pressesprechern und mit millionenschweren Aktienoptionen. Jetzt steht er auf der Straße, arbeitslos. Und eine Abfindung will Finanzminister Hans Eichel (SPD) ihm auch nicht zahlen. Was nun, Herr Sommer?

„Um Ron Sommer müssen wir uns überhaupt keine Sorgen machen“, sagt der Düsseldorfer Personalberater Eberhard von Rundstedt, „er ist ja nicht gebrandmarkt durch seinen Rücktritt.“ Rundstedt ist überzeugt, dass dem früheren Telekom-Chef weiterhin alle Türen zum obersten Management offen stehen. „Nicht einmal Siemens-Chef Heinrich von Pierer würde den Telefonhörer auflegen, wenn Ron Sommer anruft“, sagt er. Auch eine Karriere im Ausland schließt der Personalberater bei dem Mann, der die Telekom an die Börse führte, nicht aus. Sommer sei ein begabter Finanzkommunikator und habe exzellente Kontakte zur Wall Street. „Ich könnte mir vorstellen, dass das eine oder andere internationale Unternehmen bereit ist, dafür ein bis zwei Millionen Euro pro Jahr auszugeben“, sagt von Rundstedt. Das sieht Jürgen Below ganz ähnlich. Beim Thema Finanzmarkt und Marketing gebe es zurzeit „keinen Besseren als Ron Sommer“, sagt der Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum in Berlin. Die Frage ist nur: Will Ron Sommer überhaupt wieder ins Top-Management zurück?

Denn so professionell und kühl der Vorstandschef seinen Rücktritt auch über die Bühne gebracht hat – ganz ohne seelische Kratzer dürfte er nicht davongekommen sein. „Man muss schon ein Monster sein, wenn man diesen Rummel ohne psychische Blessuren wegsteckt“, sagt Personalberater Below. „Wer gewohnt ist, die Nummer Eins zu sein, der steckt so eine Niederlage nicht einfach weg. Sommer hat einen Kampf verloren.“ Der Verlust der materiellen Annehmlichkeiten sei dagegen überhaupt kein Thema. „Jet und Fahrer kann er schon morgen wiederhaben“, sagt Below.

Abgesehen davon wird Sommer die Telekom nicht als armer Mann verlassen. Laut Finanzminister Eichel kann er das Gehalt bis zum offiziellen Vertragsende im Jahr 2005 voll einstecken. Und auch auf die Ausübung der Aktienoptionen aus 2000 und 2001 wird Sommer nach Meinung von Personalexperten und der Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz nicht verzichten müssen. „In der Regel geht aber mit dem Ausscheiden der Anspruch auf künftige Optionen unter.“

Eigentlich könnte der 52-Jährige jetzt die Füße hochlegen. Vorstellen kann sich das bei dem umtriebigen Manager allerdings keiner. Personalberater von Rundstedt hat eine andere Idee: Ron Sommer könnte künftig doch als Politiker Karriere machen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben