Was Ökonomen sagen : "Ein paar Idioten in einer korrupten Organisation"

Michael Burda, Paul Krugman, Gustav Horn und Michael Heise beurteilen die Lage an den Märkten nach der Herabstufung der US-Bonität.

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Wie viele Protagonisten der Schuldenkrise holt die neuerliche Zuspitzung der Lage

auch den US-Ökonomen

Michael Burda an seinem

Urlaubsort ein. In den Niederlanden ist er, aber natürlich beschäftigt ihn das gesenkte Rating für die USA trotzdem. „Ich bin

empört“, sagte der

Makroökonomie-

Professor der Berliner

Humboldt-Universität
in einem Telefongespräch mit dem Tagesspiegel. „Das Timing ist sehr seltsam. Ausgerechnet jetzt legen die Ratingagenturen nach, wo das große politische Implikationen hat. Die Dimensionen sind noch gar nicht überschaubar.“ Wenn überhaupt, wäre 2008 der plausiblere Zeitpunkt für eine Senkung des Ratings gewesen, als die US-Regierung das Bankensystem mit Milliardensummen stützte, sagte er.

Jetzt spiele das schlechtere

Rating den Republikanern in die Hände, und Präsident

Barack Obama sei der Leidtragende. „Dabei ist der Großteil der Schulden unter republikanischer Wache und vor der Finanzkrise entstanden, nicht unter Obamas Regierung.“

Für die USA schließt Burda einen sogenannten „Double Dip“ nicht aus, also eine neuerliche Rezession, nachdem die Rezession von 2009 eigentlich schon überwunden schien. Das liege vor allem an der Zurückhaltung der US-Verbraucher, die vielfach überschuldet seien. Die Unternehmen dagegen seien offenbar in guter Verfassung, wie die positiven Geschäftszahlen zeigten. Auf längere Sicht sieht Burda die Entwicklung seiner Heimat optimistisch. „Die Schuldensituation hat eine gewisse Dynamik, aber die USA haben genug Wirtschaftskraft, um das in den Griff zu kriegen. Schauen Sie sich doch die Wachstumszahlen der vergangenen 20 Jahre an.“ Am besten wäre eine „kräftige Abwertung des Dollar“, sagte Burda.

Der US-Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, der an der Princeton- Universität lehrt, geht in seinem Blog mit Standard & Poor’s noch schärfer ins Gericht. „Offenbar sollen wir uns darum kümmern, was ein paar Idioten in einer korrupten Organisation über irgendwas denken“, schreibt Krugman. In einem späteren Post ergänzt er, dass die USA zwar ein langfristiges Schuldenproblem hätten, aber die Ratingagenturen von den mittelfristigen Daten

wie besessen seien. Auch für

Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), zeigt sich, „dass die Ratingagenturen

hier als Brandbeschleuniger wirken“. Mit der Herabstufung werde die Gefahr noch verschärft.

Nicht alle Ökonomen sehen indes die Schuld bei den Ratingagenturen. Zwar beurteilt Michael Heise, der Chefvolkswirt des Allianz-Finanzkonzerns, die Lage nach der Herabstufung der USA durch Standard & Poor’s ebenfalls als schwierig. „Aber

inhaltlich kann man da nichts kritisieren“, sagte er dem

Tagesspiegel. Moritz Döbler

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