Wirtschaft : Was sagt die Wissenschaft zur Investment-Strategie

Ein guter Antizykliker agiert nach dem Motto: Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt zur Quelle. Ob man die aber auch durch zyklisches Verhalten - bildlich also über den Landweg mit Rückenwind - erreicht, darüber ist sich die Wissenschaft nicht einig. Schon die Basis für die Vergleiche differiert: Orientieren sich manche Untersuchungen nur am Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien, schauen andere auf die Dividendenrendite. Für den US-Markt untersuchten DeBondt und Thaler das Verhalten so genannter Sieger- und Verliereraktien - mit einem interessanten Ergebnis: Aktien, die in einem Fünf-Jahres-Zeitraum die geringsten Durchschnittsrenditen aufwiesen (Verlierer), konnten die Papiere mit den in dieser Zeit höchsten Renditen (Sieger) in den darauffolgenden fünf Jahren um mehr als 30 Prozent schlagen. In Deutschland kamen Wissenschaftler zu einem ähnlichen Ergebnis. Auf kurze Sicht dreht sich das Bild: Kauft man hierzulande die Sieger der vergangenen drei bis zwölf Monate und vergleicht das Portefeuille ein Jahr später mit den Verlierern, verbleibt eine einstellige Renditedifferenz zu Gunsten der Sieger. Interessant ist die kurzfristige Sicht: Wer auf die Verlierer der vergangenen ein bis zwölf Wochen zurückgreift, steht sich besser als mit dem Sieger-Depot. Allerdings wiegt die Differenz nicht die Transaktionskosten von Umschichtungen auf. Bei diesen Ansätzen gilt zu beachten: Die Wissenschaft definiert die Trendumkehr rein statisch, nach festen Zeitabschnitten. Eine subjektive Einschätzung, ob und wann sich ein Trend umkehrt, gibt es nicht.

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