Wirtschaft : Was sich entwickelt

Langfristig können die Aktienkurse steigen

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Anleger haben sich an solche Sätze im täglichen Börsenbericht gewöhnt: Der Anstieg des Ölpreises belastet die Aktienkurse. Auch die Gründe sind Börsianern vertraut: Höhere Energiekosten schmälern die Gewinne der Unternehmen, was wiederum ihre Aktien unter Druck setzt.

Betrachtet man die Entwicklung von Öl und Aktienpreisen aber über einen langen Zeitraum, dann verliert der kurzfristig plausible Zusammenhang an Aussagekraft. So ist etwa der Dax dem Ölpreis seit den 80er-Jahren weit vorausgeeilt. „Die historische Erfahrung zeigt, dass der Aktienmarkt an Dynamik gewinnen kann, auch wenn der Ölpreis auf sehr hohem Niveau bleibt“, sagt Stefan Mitropoulos, Aktienmarktstratege bei der Bankgesellschaft Berlin. Wichtig sei allerdings, dass die Marktteilnehmer zumindest keinen weiteren Anstieg erwarten. Als Beispiel führt der Experte die zweite Ölkrise in den 80er-Jahren an: Obwohl das Öl während des Jahres 1981 auf dem damaligen Höchststand von 35 Dollar verharrte, habe der Dax gleichzeitig kräftig zugelegt.

Doch wie immer an der Börse gilt: Rückschlüsse auf künftige Kursentwicklungen sind gefährlich. Dennoch lassen sich Gründe dafür finden, dass ein nachhaltig höherer Ölpreis den Kapitalmarkt nicht nur belasten könnte. Bleibt Öl teuer, lohnt sich nämlich der Ausbau neuer Förderkapazitäten und alternativer Energieträger. „Das hilft den Aktien der Investitionsgüterhersteller“, sagt Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei Vontobel Asset Management. „Die in den Ölförderländern verdienten Petro-Dollars könnten außerdem als Petro-Euros an die europäischen Börsen fließen und die Aktien beflügeln.“ Selbst wenn die Ölvorkommen kleiner werden, muss das noch keinen Kursabsturz einläuten: „Die Ölmultis müssen sich überlegen, womit sie ihr Geld verdienen wollen, wenn das Öl zur Neige geht. Das wird zu neuen Investitionen führen“, sagt Bodo Orlowski, Kapitalmarktanalyst bei der Conrad Hinrich Donner Bank.

Hintergrund des aktuellen Ölpreisauftriebs ist die starke Nachfrage aus China, Indien und anderen Emerging Markets. Dass dies stabilisierend wirken kann, zeigt der Rentenmarkt. „Der müsste wegen der gigantischen US-Budgetdefizite und der Ölpreisexplosion längst zusammengebrochen sein“, sagt Robert Halver. Da aber Milliardensummen aus den Boomländern in amerikanische Staatsanleihen flössen, seien die Kurse der US-Bonds stabil geblieben. mot

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