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Was Top-Manager verdienen : SAP-Chef kassiert 13,8 Millionen Euro im Jahr

Nach Erkenntnissen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz verdient SAP-Chef McDermott von allen Dax-Chefs am meisten. Es gibt Unklarheit um Döpfners Gehalt.

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Bill McDermott, SAP-Chef (Mitte), im Gespräch mit Ivanka Trump im Weißen Haus. Foto: AFP
Bill McDermott, SAP-Chef (Mitte), im Gespräch mit Ivanka Trump im Weißen Haus.Foto: AFP

SAP-Chef Bill McDermott verdient am meisten von allen Aktiengesellschaften im Dax - 13,8 Millionen Euro im Jahr. Damit ist er der mit Abstand bestbezahlte Top-Manager der börsennotierten Unternehmen in Deutschland und schlägt alle Vorstandsvorsitzenden der 30 größten im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne.

SAP-Chef McDermott ist Topverdiener im Dax

Das teilte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag mit. Alle Gehälter von mehr als zehn Millionen Euro hält er für nur schwer vermittelbar. „Das führt zwangsläufig zu einer öffentlichen Debatte, die die Reputation des Unternehmens und der handelnden Personen gefährden kann und zugleich die Debatte in Berlin über eine gesetzliche Obergrenze befördert.“

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns. Foto: dpa
Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns.Foto: dpa

Bei der Vorstellung der Gehälter der Chefs der Dax-Unternehmen unterlief dem DSW aber ein Fehler. Tüngler bezeichnete Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns, als bestbezahlten Chef. Die Angabe, dass er 19,2 Millionen verdiene, wurde am Abend vom Axel-Springer-Konzern dementiert. Die Zahl von 19,2 Millionen Euro beziehe sich auf vier Vorstandsmitglieder, sagte eine Sprecherin. Zusätzlich wurde den Vorständen zusammen zum 1. Mai 2016 eine langfristige variable Vergütung von 32,1 Mio. Euro gewährt. Dieser Betrag darf aber nicht einem einzelnen Jahr zugeordnet werden, sondern verteilt sich auf mehrere Jahre. Wieviel genau Döpfner verdient, teilt der Konzern nicht mit. Aufgrund einer Übergangsregelung kann der Konzern Veröffentlichungspflichten einige Jahre hinauszögern. Der Konzern ist nicht im Dax 30 gelistet, sondern im Mdax, das sind die mittleren Werte innerhalb der Dax-Indexfamilie.

Das 50fache der Belegschaft

Obwohl die Gehälter der 30-Dax-Chefs im vergangenen Jahr im Schnitt nur um ein Prozent auf 5,5 Millionen Euro gestiegen sind, stehen die Top-Manager nach Ansicht von Tüngler gut da. Immer noch bekommen sie das 50fache dessen, was im Schnitt die Beschäftigten ihres Unternehmens erhalten. Zudem müssen sie selbst keinen einzigen Cent für ihre Altersvorsorge aufbringen. Und da sind etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche im Ruhestand jährlich 2,7 Millionen Euro garantiert, bei BASF-Chef Kurt Bock und Bernd Scheifele von HeidelbergCement sind es jeweils gut 1,1 Millionen. Im Schnitt sind es 610 000 Euro. Dabei können sich bei 13 der 30 Konzerne die Chefs schon mit 60 Jahren zur Ruhe setzen, bei der Deutschen Post sogar schon mit 55 bei einer jährlichen Pension von 982 000 Euro. „Oft sind die Pensionsregelungen allzu auskömmlich. Grundsätzlich sollten die Vorstände ihre Altersvorsorge selbst organisieren“, sagt Tüngler. Intransparente und umfangreiche Vergütungssysteme passten nicht mehr.

Grafik: Fabian Bartel
Grafik: Fabian Bartel

Mächtige Gehaltssprünge bei SAP

SAP liegt im Übrigen mit Blick auf alle Vorstände auch beim Gehaltsplus weit an der Spitze. Im Schnitt bekam jeder Top-Manager, so die DSW, 164 Prozent mehr als 2015, bei Adidas lag das Plus bei 25, bei der Deutschen Börse bei 24 Prozent. Bei Thyssen-Krupp, Merck und Volkswagen waren es dagegen zwischen 13 und 30 Prozent weniger.

Hinter dem SAP-Chef war Matthias Müller, erster Mann von VW, mit 9,6 Millionen trotz der Einbuße noch zweitbester Verdiener der 30 Dax-Konzerne. Als Nummer drei kam Daimler-Chef Zetsche auf 7,7, vor BMW-Chef Harald Krüger mit 7,6 und Scheifele (HeidelbergCement) mit 7,2 Millionen Euro. Am Ende steht Reinhard Ploss von Infineon mit 2,3 Millionen Euro.

Die Vergütungsregelungen stoßen Tüngler zufolge angesichts ihrer Komplexität bei den Aktionären auf immer größeren Unmut. „Wir fordern eine massive Vereinfachung und Entrümpelung der Vergütungssysteme und mehr Klarheit und Verständlichkeit“. Weil die fehlt, stimmten etwa bei Merck nur 46 Prozent, bei der Münchner Rück und bei ProSiebenSat 1 sogar nur 34 und 33 Prozent der Anteilseigner auf der Hauptversammlung für die Vorstandsvergütung. Bei SAP setzte der Aufsichtsrat das Thema gar nicht erst auf die Tagesordnung. Die Folge: Die Aktionäre waren sauer und straften das Kontrollgremium mit einer Entlastungsquote von nur 49,5 Prozent ab.

Hinweis: In einer ersten Version des Textes war das Dementi des Axel-Springer-Konzerns noch nicht enthalten.

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