Wirtschaft : Was VW mehr freut

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Der Gewinn allerdings stagniert. Das Unternehmen meldet die größten Zuwächse in Deutschland und den USA und plant eine Modelloffensive im Herbstrst

Audi gibt weiter Gas. Der Erfolg des neuen TT Coupe, deutlich mehr Auslieferungen und eine höherwertige Ausstattung der Fahrzeuge haben dem Audi-Konzern im ersten Halbjahr ein kräftiges Plus beim Umsatz beschert. Er stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent auf 14,4 Mrd. DM, teilte die VW-Tochter am Freitag mit. Allerdings blieb der Gewinn dahinter zurück: Das Ergebnis vor Steuern betrug mit 806 Mill. DM nur 0,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ausschlaggebend für das stagnierende Ergebnis war ein Gewinneinbruch bei der Audi AG. Dort sackte das Vorsteuer-Ergebnis um 19,8 Prozent auf 647 Mill. DM. Die Umsatzrendite im gesamten Konzern rutschte dadurch mit 5,6 Prozent sogar leicht unter das Niveau des ersten Halbjahres 1998. Die Ursache liege in gestiegenen Aufwendungen für Entwicklung und Produktanläufe sowie in den erhöhten Abschreibungen, erklärte Audi-Sprecher Joachim Cordshagen auf Anfrage. Und das schlage in einem Jahr, in dem es für Audi so viele Markteinführungen wie nie zuvor gegeben hätte, eben verstärkt zu Buche. Insgesamt hätten sich die Aufwendungen für Entwicklung und Produkteinführung in den vergangenen fünf Jahren ungefähr verdoppelt. Die Abschreibungen stiegen im ersten Halbjahr um 24,3 Prozent auf 921 Mill. DM. Die Investitionen sanken leicht auf 1,04 Mrd. DM.

Der Autohersteller lieferte in den ersten sechs Monaten weltweit 320 500 Pkw aus, 5,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders erfolgreich war Audi in Deutschland. Hier stiegen die Auslieferungen um 11,7 Prozent auf 135 900 Fahrzeuge. Der Marktanteil in Deutschland wuchs damit von 6,4 auf 6,7 Prozent. Den größten Zuwachs bei den Auslieferungen erlebte Audi in den USA: Mit 28 250 gingen 38,4 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum nach Übersee - den mittlerweile zweitgrößten Einzelmarkt für Audi. "Dort haben wir offensichtlich den Nerv der Kunden getroffen", sagte Cordshagen. Er machte dafür die "stringente Modellpolitik" sowie das gewandelte Image verantwortlich.

Die Produktion in den Audi-Werken erhöhte sich um 2,4 Prozent auf 315 000 Wagen. Darunter waren 23 300 Audi TT. Die größere Vielfalt in der Modellpalette und die zahlreichen Anläufe führten auch zu einem weiteren Anstieg der Belegschaft. Ende Juni waren im Konzern 44 469 Mitarbeiter beschäftigt, gut zehn Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland wurden bis Ende Juni 1571 neue Stellen geschaffen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will Audi in Ingolstadt mindestens 250 weitere Arbeitsplätze schaffen. Im gleichen Zeitraum sollen 100 Mill. DM in die Ausbildung von Nachwuchskräften investiert werden.

Gegenwärtig blickt Audi zuversichtlich in die Zukunft: Der Auftragsbestand ist rund zehn Prozent höher als vor einem Jahr. Konkrete Zahlen wurden indes nicht genannt. Insgesamt peilt Audi an, dieses Jahr erstmals über 600 000 Fahrzeuge auszuliefern. "Wir sind ziemlich sicher, dass wir das schaffen", sagte Cordshagen. Das mittelfristige, "strategische Ziel" liege bei 700 000 Autos.

Die Modelloffensive des Autobauers hält an. Auf der Internationalen Autoausstellung IAA in Frankfurt (Main) stellt Audi drei neue Modelle vor: Den "S6", das Aluminiumfahrzeug "A2" und den Geländewagen "Allroad Quattro". Der kürzlich vorgestellte "TT Roadster" kommt Mitte September auf den Markt. Also volles Programm im Jubiläumsjahr: Vor 100 Jahren gründete August Horch eine Firma in Köln. Zehn Jahre später siedelte er sein Automobilunternehmen mit dem Namen Audi in Zwickau an. Seit 50 Jahren ist der Unternehmenssitz in Ingolstadt.
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