Wirtschaft : Wasser marsch

Top- und Frontlader können bei der Leistung durchaus konkurrieren. Beim Preis sind die Unterschiede viel größer

Frederic Spohr
232857_3_xio-image-48e6574ca7113.heprodimagesgrafics84120081004wi_wtest_waschmaschinen.jpg

Berlin - Die Waschmaschine führt ein stiefkindliches Dasein. Als Konsumobjekt ist sie eher unbeliebt. Erst wenn die alte Maschine kaputt ist, schafft man sich ein neues Gerät an und das soll dann auch noch möglichst billig sein. 80 Prozent der Deutschen bezahlen weniger als 600 Euro für eine Waschmaschine, haben Marktforscher herausgefunden.

13 Maschinen mit maximal 1200 Schleudertouren hat die Stiftung Warentest jetzt geprüft, darunter zehn Frontlader und drei Toplader. Der Unterschied: Toplader befüllt man von oben. Sie sind schlanker und damit für kleinere Wohnungen eher geeignet, aber auch deutlich teurer als die Frontlader, die man von der Seite mit Wäsche vollstopft. Bei der Reinigungsqualität sind die beiden unterschiedlichen Typen allerdings identisch.

Für den Test beschmutzen die Prüfer die Kleider mit ordentlich Hautfett, Ruß, Öl, Blut und Rotwein – allesamt Dinge also, die hartnäckige Flecken produzieren. Die Prüfer bewerteten das Ergebnis anschließend nach fünf unterschiedlichen Kategorien: Reinigungsqualität und Dauer des Kurzprogrammes (40 Prozent), Dauerprüfung beziehungsweise Haltbarkeit der Maschinen (20 Prozent), Handhabung (15 Prozent), Umwelteigenschaften (15 Prozent) und schließlich auch noch den Schutz vor Wasserschäden (zehn Prozent).

Die Gesamtnote „sehr gut“ erhielt keines der Modelle. Immerhin die Hälfte der zehn getesteten Frontlader wurde aber mit „gut“ benotet. Als Testsieger setzte sich Bosch mit dem Frontlader WAE24140 durch. Sie wusch, schleuderte und spülte am besten und ging zudem noch sehr sparsam mit Wasser um, dafür verschleuderte sie in manchen Programmen vergleichsweise viel Strom. Die Bosch-Maschine ist für 550 Euro zu haben und damit sogar noch günstiger als die knapp dahinter platzierten Modelle von Siemens (590 Euro) und dem Otto-Versand (600 Euro). Die Preiserwartungen der meisten Verbraucher (siehe oben) würden sie damit erfüllen.

Bei den Topladern würden die Durchschnittskonsumenten dagegen nicht weit kommen. Der Testsieger von Miele kostet im Laden durchschnittlich 1030 Euro. Die Waschleistung des Modells W 604 WPM wurde dafür aber auch als sehr gut eingestuft, die Maschine zudem als sicher und zuverlässig bewertet. Qualitativ kaum schlechter, dafür mit jeweils 700 Euro Durchschnittspreis deutlich günstiger schneiden die ebenfalls mit „gut“ getesteten Toplader von Quelle und AEG-Electrolux ab.

Größte Enttäuschung im Gesamttest war für die Warentester der Frontlader Lavamat 72850 von AEG-Elektrolux. Das Gerät erhielt lediglich eine Note von 4,5 und war damit die einzige Waschmaschine, die nur mit einem „ausreichend“ benotet wurde. Die Maschine ist mit ihrer großen Trommel zwar sehr familienfreundlich und dabei trotzdem günstig im Wasser- und Stromverbrauch, spült Buntwäsche allerdings nur sehr schlecht. Außerdem tropften die drei Testgeräte in der simulierten Dauerprüfung bereits nach sieben Jahren am Laugenbehälter. Das heißt, dass man das Gerät nach sieben Jahren praktisch wegschmeißen kann. Denn den Bottich auszutauschen ist sehr kompliziert und für ein Gerät dieses Alters auch recht teuer.

Auch die Maschinen von Bosch und Blomberg zeigten in der Dauerprüfung Mängel. Die Warentester stimmte allerdings milde, dass sich diese recht einfach reparieren ließen.

Nicht in die Gesamtbewertung flossen das – ebenfalls getestete – soziale und ökologische Engagement der Hersteller ein. Die Warentester schauten dazu in alle Produktionsstätten und führten in vielen Betrieben auch Interviews mit den Arbeitern durch. Alle Firmen erhielten das Prädikat „stark engagiert“ und „engagiert“. „Die Branche steht gut da“, schreiben die Tester und loben auch die Transparenz der Unternehmen. Alle acht Anbieter machten mit. So viel Transparenz gab es noch nie bei einer derartigen Untersuchung der Stiftung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar