Wirtschaft : Wasser wird in Berlin 15 Prozent teurer

Wasserbetriebe überweisen 70 Millionen Euro an den Senat

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Berlin (fo). Das Land Berlin wird mit seinen Wasserbetrieben (BWB) wieder Geld verdienen, auch wenn der Senat den Plan, mit einer Konzessionsabgabe zusätzlich 68 Millionen Euro zu kassieren, fallen gelassen hat. Für dieses Geschäftsjahr wird das Unternehmen etwa 70 Millionen Euro an Finanzsenator Thilo Sarrazin auszahlen können. In den letzten Jahren machten die BWB nur Verluste – die Dividende für das Land fiel aus.

Die Wasserpreise in Berlin werden 2004 voraussichtlich um 15 Prozent steigen. Darauf laufen nach Einschätzung des BWBVorstandschefs Jörg Simon die Verhandlungen mit dem Senat hinaus. Der Zuschlag fällt aber moderater als befürchtet aus, weil das Land auf die Konzessionsabgabe verzichtet. Dann hätte der Preisaufschlag bis zu 30 Prozent betragen können. Die neuen Tarife werden im Herbst festgelegt, sagte Simon bei der Vorstellung der Bilanz. Und er fügte hinzu: „Wassertarife sind in erster Linie eine politische Entscheidung.“

Mit der Preiserhöhung werden weniger steigende Kosten aufgefangen. Vielmehr soll die Ertragslage des Wasserversorgers und damit die Ausschüttung an die Aktionäre verbessert werden. Neben dem Land Berlin, das gut 50 Prozent der Anteile hält, sind RWE und Veolia (früher Vivendi) Gesellschafter.

Bei der Privatisierung waren Preisänderungen bis Ende 2003 ausgeschlossen, andererseits den Investoren Renditeversprechungen gemacht worden, die später per Gerichtsbeschluss kassiert wurden. Seitdem ist das Land mit Forderungen der Investoren um einen Ausgleich konfrontiert. Dessen ungeachtet bekommen RWE und Veolia für 2002 gut 78 Millionen Euro vertraglich vereinbarte Garantieausschüttung.

Teure Schwarze Pumpe

In den letzten beiden Jahren schrieben die Wasserbetriebe rote Zahlen wegen das Rohstoffverwertungszentrums Schwarze Pumpe (SVZ), das sich als ein finanzielles Desaster erwies. Insgesamt 500 Millionen Euro hat das Abenteuer gekostet, das im vergangenen Sommer mit dem Verkauf an eine Investorengruppe beendet wurde. Die Bilanz 2002 belastete das SVZ noch einmal mit 85 Millionen Euro. Jetzt bestünden allenfalls aus der Gewährleistung Restrisiken von rund elf Millionen Euro, versichert Finanzchef Frank Bruckmann.

Fortgesetzt hat die Berlinwasser-Gruppe, zu der auch die Wasserbetriebe gehören, die Trennung von Tochterunternehmen, die nicht zum Kerngeschäft gezählt werden. Zum 1. Oktober ist gerade die Essener Tochter WTE, die mit 336 Mitarbeitern Wasseranlagen baut und betreibt, an den österreichischen Energieversorger EVN verkauft worden. Auf der Verkaufsliste steht auch das Telekomunternehmen Berlikomm, das im vergangenen Jahr 29 Millionen Euro Verlust einfuhr. Dafür dürfte sich zurzeit nur schwer ein Käufer finden. Fortgesetzt werden soll auch der Personalabbau. Allein die Wasserbetriebe wollen nach Vorstandsangaben bis 2006 weitere 1000 Stellen von 5400 (Ende 2002) streichen, davon 650 durch vorgezogenen Ruhestand.

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