Wirtschaft : Wasserbetriebe halten im Gasag-Poker mit

Bieter-Konsortium mit dem belgischen Stromkonzern Tractebel geschmiedet

BERLIN (dw).Wer bekommt die Berliner Gasag? Anders als bei der jüngst abgeschlossenen Privatisierung der Bewag gibt es im Falle des Gasversorgers durchaus eine umfangreiche Bewerbergruppe in der Endauswahl.Nach Informationen des Tagesspiegels sind eine Woche nach dem Ende des Ausschreibungsverfahrens noch neun Kaufinteressenten auf der "Short-list" des Finanzsenats.Die Entscheidung wird voraussichtlich im Januar fallen.Obwohl beim Kauf des 51,2-prozentigen Aktienpaketes die Konsortien Gaz de France/Bewag und Ruhrgas/RWE noch immer als Favoriten gelten, mehren sich inzwischen die Hinweise auf mehrere potente Mitbewerber.So soll der US-Konzern Enron ebenso im engeren Bewerberkreis sein, wie die norwegische Statoil.Wie aus Branchenkreisen zu hören war, könnte sich aber vor allem ein bislang unbekanntes Konsortium unter Beteiligung der Berliner Wasserbetriebe als ebenbürtiger Herausforderer erweisen. Noch bis vor wenigen Tagen war den Wasserbetrieben keine ernsthafte Chance im Gasag-Poker zugestanden worden.Die BWB hatten sich bislang nicht erkennbar um ein Konsortium bemüht.Allein aber hätte das Unternehmen nicht genügend Masse, einen Kaufpreis von bis zu 1,3 Mrd.DM aufzubringen.Nun wurde allerdings bestätigt, daß die Wasserbetriebe unbemerkt hinter den Kulissen ein tragfähiges Konsortium mit der belgischen Elektroholding Tractebel gezimmert haben.Tractebel verfolgt eine expansive Strategie im Ausland.Anfang November waren die Belgier mit ihrer Bewerbung um die Übernahme des viertgrößten brasilianischen Stromversorgers knapp gescheitert.Zur Zeit betreibt sie Kraftwerks-Projekte in Ungarn und Ägypten. In der Branche werden dem gemeinsamen Angebot von BWB und Tractebel allein schon aus politischen Gründen gute Chancen eingeräumt.Über die bislang noch nicht privatisierten Wasserbetriebe könnte das Land Berlin weiterhin Einfluß auf die Geschäftspolitik der Gasag ausüben.Vor allem Stimmen aus der SPD und den Gewerkschaften würden dies favorisieren.Gleichzeitig wird zugegen, daß der Gasag auch Nachteile daraus entstehen können, wenn sie nach einem Einstieg der Wasserbetriebe für weitere Jahre nicht aus der als schädlich empfundenen Privatisierungsdebatte herauskäme. Falls das Konsortium zum Zuge kommt, dürften die Wasserbetriebe einen finanzstarken und erfahrenen Partner im Gasag-Poker an ihrer Seite haben: Hauptaktionär der Tractebel ist der französische Superkonzern Compagnie de Suez.Bei der Fusion von Suez und Lyonnaise des Eaux in diesem Jahr zur größten französischen Industrieholding war es vor allem die Beteiligung Tractebel, die mit ihrer Tätigkeit in der kommunalen Versorgung von Gas, Wasser, Strom und der Müllentsorgung für bedeutende Synergie-Effekte sorgte.

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