Wirtschaft : Wasserbetriebe verkaufen die Berlikomm

Abschluss der Verhandlungen im Sommer/Gewinn der Telekommunikationsfirma dient Schuldenabbau

Ulrich Zawatka-Gerlach

Berlin - Die angeschlagene Berlikomm, eine Tochter der teilweise landeseigenen Berlinwasser-Holding, wird spätestens im August verkauft. Der Senat und die privaten Miteigentümer RWE und Veolia sind bereit, den hohen Bilanzgewinn aus den Wasserbetrieben 2003 (über 200 Millionen Euro) für die Entschuldung des Telekommunikationsunternehmens zu verwenden. Das ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Privatisierung der Berlikomm. Mit drei Investoren werden nach Informationen des Tagesspiegel die Abschlussverhandlungen geführt.

Die Berlikomm wurde 1997 gegründet: als Telefonnetzanbieter für die Berliner Verwaltung. Inzwischen hat die Berlikomm auch private Kunden (zum Beispiel die Lebensmittelkette Reichelt) und bietet Internetdienste an. Bisher ohne großen Erfolg. Jedes Jahr wurden Verluste erwirtschaftet. Zunächst in zweistelliger, jetzt noch in einstelliger Millionenhöhe. 2003 wurde zwar erstmals ein operativer Gewinn erzielt, aber die hohen Kreditzinsen drücken das Unternehmen weiter in die roten Zahlen.

Wie so viele Blütenträume aus den neunziger Jahren sei auch dieses Projekt gescheitert, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) kürzlich im Parlament. Aber wenn die Darlehen wenigstens teilweise abgelöst sind und ein neuer Eigentümer frisches Geld in den mittelständischen Netzanbieter steckt, könnte die Berlikomm nach Einschätzung des Senats und des Wasserbetriebe-Vorstands bald in die Gewinnzone kommen.

Sollte der Verkauf von Berlikomm gelingen, haben sich die Berliner Wasserbetriebe von ihrer letzten großen Altlast befreit. Im Juni 2002 wurde schon die hoch defizitäre SVZ Schwarze Pumpe verkauft. In das 1995 erworbene Rohstoff-Verwertungszentrum in der Lausitz haben die Wasserbetriebe insgesamt 587 Millionen Euro gesteckt. Bei Berlikomm bürgt das Land Berlin immerhin für einen Kreditrahmen von 316 Millionen Euro, der weitgehend ausgeschöpft wurde und ein Finanzrisiko erster Güte darstellt.

Nun soll mit dem Gewinn der Wasserbetriebe aus 2003, der mit allen Möglichkeiten der Bilanztechnik hochgejubelt wurde, der Schuldenberg großenteils abgebaut werden. Von dem Gewinnanteil Berlins (107,6 Millionen Euro) werden 7,6 Millionen Euro in den Landeshaushalt fließen. Weitere 90 Millionen Euro Gewinn überlässt der Senat den Wasserbetrieben. Die privaten Gesellschafter, die 49 Prozent an der gemeinsamen Wasser-Holding halten, legen ebenfalls 90 Millionen Euro aus ihrem Gewinnanteil drauf.

Von diesen 180 Millionen Euro dienen 150 Millionen Euro dazu, Darlehen der Berlikomm abzulösen. Mit den restlichen 30 Millionen Euro werden Alt-Darlehen anderer, kleiner Tochterunternehmen der Wasserbetriebe abgelöst. Dann bleiben noch 10 Millionen Euro aus dem Gewinnanteil des Landes übrig, die als Rücklage bei den Wasserbetrieben geparkt werden. Je nachdem, wie hoch der Kaufpreis für die Berlikomm ausfällt, kann dieses Geld in den Haushalt zurückfließen.

Das komplizierte Geschäft wird dem Abgeordnetenhaus vom Senat jetzt offiziell zur Kenntnis gegeben. Der Vorstand der Wasserbetriebe wies die Kritik an den Tariferhöhungen für Wasser und Abwasser ab 2004 trotz der hohen Bilanzgewinne zurück. Es gebe „keine Wechselwirkung zwischen den Tarifen und den Ergebnissen des Wettbewerbsgeschäftes innerhalb der Berlinwasser-Holding.“

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