Wirtschaft : Wassermarkt: RWE bietet für Thames Water 14 Milliarden Mark

ews/jsn

Die RWE AG will den britischen Wasserversorger Thames Water für 4,3 Milliarden Pfund (13,9 Milliarden Mark) in bar kaufen. Der Essener Konzern teilte am Montag mit, das Angebot enthalte einen Aufschlag von 32,8 Prozent auf den Aktienkurs von Thames Water. Die Aktionäre erhielten zudem eine Interimsdividende von 20 Pence je Stammaktie und 1,9 Pence je B-Aktie. Die Börse reagierte skeptisch: Die RWE-Aktie verlor mehr als zwei Prozent und fiel unter 39 Euro. Analysten lobten dagegen den Schritt als strategisch sinnvoll, kritisierten aber den hohen Preis und die Übernahme der Schulden in Höhe von 1,8 Milliarden Pfund.

Die RWE-Offerte wurde vom Vorstandsvorsitzenden Dietmar Kuhnt als "freundliche Übernahme" deklariert. Die Zusammenarbeit beider Unternehmen habe "bereits in kürzester Zeit harmonisch und reibungslos funktioniert". Das zeige sich auch darin, dass der Board of Directors von Thames Water den Aktionären empfohlen hätte, das Angebot anzunehmen. Erst im Sommer waren die Verhandlungen mit den Briten aufgenommen worden, nachdem die Übernahme der Umweltsparte des französischen Vivendi-Konzerns gescheitert war. Kuhnt betonte, dass Thames Water im RWE-Konzern beim Wassergeschäft die unternehmerische Führung übernehmen werde. Thames-WaterChef Bill Alexander soll die Expansionsstrategie fortsetzen. Die Engländer hatten am Wochenende zwei Übernahmen in Chile (Essbio, das zweitgrößte Wasserunternehmen des Landes) und Hongkong bekannt gegeben. Außerdem soll der siebtgrößte private amerikanische Wasseranbieter E-town in den neuen Verbund integriert werden.

Kuhnt bewertete den Deal so: "Thames Water bietet den Marktzugang und wir werden mit unseren finanziellen Resourcen die entsprechende Rückendeckung bieten. Gleichzeitig werden wir für die Briten in Kontinentaleuropa Marktchancen öffen, wo wir mit Privatisierungen vertraut sind." Er betonte, dass für die Finanzierung der Übernahme angesichts wohl gefüllter RWE-Kassen keine Kapitalerhöhung notwendig werde. In diesem Jahr hatten die Essener 2,5 Milliarden Euro durch den Verkauf ihrer Anteile an E-Plus, Otelo und Telecolumbus erzielt. Auf der Hauptversammlung von RWE am 21. November soll der deutsch-britische Zusammenschluß perfekt sein. Das Übernahmeangebot gilt sechs Wochen, so dass es Anfang November unwiderruflich sein wird.

Innerhalb des RWE-Konzerns werden die Wasser-Aktivitäten als Kernbereich neben Strom, Gas, Entsorgung und Dienstleistung definiert. Kuhnt rechnet hoch, dass das weltweite Marktvolumen für Privatunternehmen im Wasser- und Abwassergeschäft von heute 90 Milliarden Euro auf mehr als 430 Milliarden Euro in zehn Jahren steigen wird. Hier zu Lande habe RWE mit der Beteiligung an den Berliner Wasserbetrieben seit vergangenem Jahr die Position bereits deutlich verbessert. Insgesamt versorgt RWE neun Millionen Kunden in Deutschland und zwei Millionen im europäischen Ausland mit Wasser. Der Umsatz von RWE Aqua hat im Geschäftsjahr 1999/2000 (30.6.) 808 Millionen Euro erreicht.

Nach der Eingliederung von Thames Water rückt RWE im Wassergeschäft weltweit auf Rang drei mit insgesamt 35 Millionen Kunden. Kuhnt verhehlt aber nicht, dass die französischen Hauptkonkurrenten Suez Lyonnaise des Eaux und Vivendi nach wie vor "um ein Vielfaches größer sind". Die Franzosen versorgen jeweils 100 Millionen Kunden mit Wasser. Das nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Öl-Engagement bei der RWE-Dea wird neu geordnet. Die Gespräche mit der BP-Gruppe liefen erfolgsversprechend, wie es aus unternehmensnahen Kreisen heißt. Im ersten Schritt wird ein Joint-Venture angestrebt, in das RWE sein Tankstellengeschäft und die Raffinerien einbringen will. Dabei soll BP die unternehmerische Führung bekommen. Ob später der totale Ausstieg erfolgen wird, bleibt noch offen. Geld soll bei dem Deal vorerst nicht fließen. Dagegen will RWE das attraktive Upstream-Engagement (Exploration und Produktion von Öl und Gas) weiter ausbauen. Es wird bei der neuen RWE Gas angesiedelt werden. Die Tochter soll die Marktposition in Europa "aggressiv ausbauen" erklärte Kuhnt.

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