Wirtschaft : Wasserwerk, ganz privat

Die Bürger des norddeutschen Dörfchens Ellerhoop kaufen der Gemeinde das Wasserwerk ab

Nora Luttmer

Sechs Jahre lang haben die Bürger von Ellerhoop in Schleswig-Holstein um ihr Wasser gekämpft. Jetzt sieht es so aus, als hätten sie gewonnen. Die Bürger gründen eine Genossenschaft und übernehmen das Wasserwerk des Ortes selbst. Anfang Juni soll der Vertrag unterzeichnet werden.

Sie wollten nicht von einem überregionalen Wasseranbieter und dessen möglicherweise horrenden Verbrauchs- und Anschlussabrechnungen abhängig werden. Die Gemeinde wollte ursprünglich den gesamten Ort an ein zentrales Wassernetz anschließen und die Bürger zwingen, sich Hausanschlüsse zuzulegen. Gleich zweimal haben sich die Einwohner per Bürgerentscheid dagegen gewehrt. Schließlich werden nur 90 Haushalte im Neubaugebiet der Mini-Gemeinde vor den Toren Hamburgs von einem kleinen Wasserwerk versorgt. Alle anderen der rund 350 Haushalte haben eigene Brunnen. Kein Wunder, dass niemand die teuren Hausanschlüsse haben wollte.

Dem Bürgerentscheid konnte die Gemeindeverwaltung nichts entgegensetzen. Doch ihr kleines Wasserwerk wollte sie trotzdem verkaufen. Doch, so fragt die designierte Vorsitzende der Wasser-Genossenschaft, Susanne von Soden: „Warum sollten wir uns von anderen einen Preis vorgeben lassen, wenn wir auch selber ein Wasserwerk betreiben können.“ Für 65000 Euro kaufen sie nun der Gemeinde das Wasserwerk ab. „Sicher, das ist ein Wagnis", sagt von Soden. „Aber wenn wir erst einmal an einem externen Wassernetz hängen, kommen wir da nicht mehr weg. Dann können sie uns knebeln".

Nicht, dass es jetzt billig würde. Auch die Genossenschaft wird zuerst einmal den Wasserpreis anheben. Denn mit dem Kauf ist es lange nicht getan, die Genossenschaft braucht Geld für Investitionen. Der alte Brunnen muss saniert, ein zweiter muss gebaut werden. Außerdem fehlen noch Rohrleitungen für den Druckausgleich.

Die Auszahlung von Überschüssen, die die Gemeinde mit dem Brunnen erwirtschaftet hat, reicht für diese Investitionen nicht aus. Auch nicht die Einlagen von 500 Euro pro Mitglied. Nur: Auch wenn der Preis des Kubikmeters von jetzt 85 Cent auf 1,25 Euro steigt, liegt er damit unter den Angeboten externer Anbieter. „Und wenn wir die Investitionen wieder reingeholt haben, können wir den Preis auch mal senken“, so von Soden.

„Das Projekt ist einmalig“, findet Andreas Eisen, Gründungsberater beim Genossenschaftsverband Norddeutschland. „Es ist das erste Mal, dass eine Bürgerinitiative die Wasserversorgung übernimmt.“ Zwar gibt es in Schleswig-Holstein an die hundert Wasser-Genossenschaften. Doch die sind teils über hundert Jahre alt und haben nie eine ehemals öffentliche Aufgabe privatisiert.

„Der Trend wird in Zukunft sicher dahin gehen, dass Genossenschaften öffentliche Aufgaben übernehmen“, sagt Eisen. Die Wasser-Genossenschaft von Ellerhoop sei dabei wegweisend. Deshalb organisiert er noch für dieses Jahr einen Workshop zum Thema Privatisierung öffentlicher Aufgaben durch Genossenschaften.

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