Wirtschaft : WAZ-Gruppe bietet für Kirch Media

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München/Frankfurt (Main) (cbu/mm/rob/HB). Für die schwer angeschlagene Kirch Media ist ein Retter in Sicht: Die Zeitungsgruppe WAZ, die Commerzbank und das Hollywood-Studio Columbia Tristar wollen nach Informationen des Handelsblatts noch in dieser Woche gemeinsam ein Angebot für die wichtigsten Teile des Medienunternehmens vorlegen.

Bei Kirch Media ist das Kerngeschäft der maroden Firmengruppe von Leo Kirch konzentriert. Dazu gehören der Handel mit Film- und Sportrechten sowie die TV-Sender. Für die Mehrheit an der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 und den Rechtehandel will das Bieter-Trio demnach eine Summe von etwa zwei Milliarden Euro auf den Tisch legen. Die genaue Höhe des Angebots wird noch verhandelt.

Die Investorengruppe hatte die Grundzüge der Offerte am vorigen Donnerstag bereits dem Gläubigerausschuss von Kirch Media vorgestellt. Die WAZ-Gruppe und die Commerzbank wollen demnach jeweils 40 Prozent an der neuen Gesellschaft übernehmen. 20 Prozent sollen an die Sony-Tochter Columbia gehen, hieß es aus Kreisen, die mit den Verhandlungen vertraut sind. Mit einer solchen Lösung wären alle Gläubiger zufrieden.

Offenbar können mit einem Verkaufserlös von zwei Milliarden Euro sämtliche Schulden der Kirch Media getilgt werden, ein Verkauf der wichtigsten Kirch-Beteiligungen ins Ausland würde verhindert. Überdies böten sich dank der Beteiligung der kapitalstarken Essener WAZ-Gruppe und des Hollywood-Konzerns Columbia viel versprechende Zukunftsperspektiven. Der WAZ selbst gelänge mit der Beteiligung der lang ersehnte Einstieg ins große Fernsehgeschäft. Sollte der Gläubigerausschuss dem Vorschlag des Bieter-Trios endgültig zustimmen, würden die werthaltigen Teile von Kirch Media aus dem Insolvenzverfahren herausgehalten. Über die verlustträchtigen Sparten dürfte hingegen bald das endgültige Insolvenzverfahren eröffnet werden. Kirch Media hatte Anfang April vorläufig Insolvenz angemeldet.

Knackpunkt bei der Festsetzung des Übernahmepreises ist die Bewertung der Filmbibliothek von Kirch Media, dem eigentlichen Herzstück des Konzerns. Kirch verfügt über insgesamt 63 000 Stunden Programm. Davon entfallen etwa 40 000 Stunden auf TV-Serien, 20 000 Stunden auf Spielfilme und knapp 3000 Stunden auf TV-Movies. Hier werde derzeit „ein völlig neuer Wertansatz" erarbeitet, heißt es in Branchenkreisen.

Das Geschäft im Lizenzhandel, das zuletzt über eine Milliarde Euro im Jahr ausmachte, ist derzeit offenbar weitgehend zum Erliegen gekommen. In der letzten verfügbaren Bilanz stehen die Rechte noch mit etwa drei Milliarden Euro. Da die 52 Prozent an Pro Sieben Sat 1, die bei Kirch Media liegen, etwa eine halbe Milliarde Euro wert sind, bewertet das Angebot der Investorengruppe die Filmbibliothek mit etwa 1,5 Milliarden Euro. Die Zeit für eine Lösung für Kirch Media drängt: Denn der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé und die beiden Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems müssen bis zur demnächst erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens Klarheit über das künftige Konzept schaffen. Dann entscheidet sich, welche Teile von Kirch Media in einer Auffanggesellschaft gebündelt werden. Und dies ist auch vom Kaufinteressenten abhängig.

Nach den Vorstellungen des Bietertrios soll die „neue" Kirch Media im Kern den Film- und Sportrechtehandel sowie die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 umfassen. Der defizitäre Sportsender DSF werde nur im Unternehmen bleiben, falls Kirch Media die Fernsehübertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga für die nächsten zwei Spielzeiten erhalte, heißt es in Verhandlungskreisen. DSF-Chef Stefan Ziffzer setzt derzeit ein hartes Sparprogramm um und streicht viele Stellen. Die 25-Prozent-Beteiligung von Kirch Media am spanischen Sender Telecinco soll auf jeden Fall verkauft werden.

Auch der Bereich Produktion soll den Planungen zufolge deutlich kleiner werden. Die Renditen seien zu gering, das Risiko zu hoch, heißt es zur Begründung. In der Vergangenheit produzierte Kirch etwa aufwändige Fernsehfilme und TV-Serien wie „Napoleon", „Graf von Monte Christo" oder „Der Tunnel". Der ehemalige Kirch-Vertraute Jan Mojto, der solche Projekte maßgeblich vorantrieb, ist bereits ausgeschieden.

Verkauft werden soll auch der renommierte Produzent von Film- und Fernsehsendungen NDF Neue Deutsche Filmgesellschaft. Die Produktion von Unterhaltungssendungen, etwa Quiz- oder Gerichtsshows, hat dagegen bessere Chancen. Das Segment gilt als Wachstumsmarkt mit relativ geringem Risiko.

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