Wirtschaft : WCM strebt Minderheit bei Thyssen-Krupp an

lip/ews/kv/HB

Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG plant den Aufbau einer strategischen Beteiligung von zehn bis 25 Prozent an der Thyssen-Krupp AG. Dies erfuhr das Handelsblatt aus firmeninternen Kreisen des Frankfurter Investmentkonzerns, zu dem auch die IVG Holding, Klöckner-Werke und RSE Grundbesitz gehören. Eine feindliche Übernahme des Düsseldorfer Mischkonzerns, wie in Presseberichten gestern spekuliert wurde, beabsichtige WCM allerdings nicht.

Roland Flach, Vorstandsvorsitzender der WCM, will weder bestätigen noch dementieren, dass die Frankfurter Holding ein Interesse daran habe, ein größeres Aktienpaket an Thyssen-Krupp aufzubauen. "Zu geplanten Vorhaben im Beteiligungsbereich mache ich keine Angaben", erklärte Flach dem Handelsblatt. Indirekt macht der WCM-Chef aber deutlich, dass eine feindliche Übernahme von Thyssen Krupp durch die WCM undenkbar sei. Denn der Konzern wolle im nächsten Jahr den Kauf weiterer Beteiligungen lediglich aus den eigenen Finanzmitteln bezahlen, um vor allem ein weiteres Verwässern des 49-prozentigen Aktienpaktes des Hamburger WCM-Großaktionärs Karl Ehlerding zu verhindern. "Wir planen keine Übernahme, durch die Ausgabe neuer Aktien. Sämtliche geplanten Beteiligungen sollen aus den vorhandenen Barmitteln finanziert werden", so Flach. Die Investment-Gruppe verfügt nach dem Verkauf der Klöckner-Foliensparte Pentaplast lediglich über eine Kriegskasse von einer bis 1,5 Milliarden Euro. Bei einer Mehrheitsübernahme müssten die Frankfurter mehr als vier Milliarden Euro bezahlen, da Thyssen-Krupp an der Börse mit einer Marktkapitalisierung zwischen acht und neun Milliarden Euro bewertet ist.

Wie bei Thyssen-Krupp betont wird, ist eine Beherrschung und Zerschlagung des Konzerns nur schwer möglich. Man habe auch keine Erkenntnisse, dass eine Übernahme vorbereitet werde. In festen Händen seien 40 Prozent des Kapitals, der Rest ist breit gestreut. Die Alfried-Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält knapp 18 Prozent, die IFIC Holding AG des Staates Iran 7,69 Prozent und die Fritz Thyssen Stiftung 4,96 Prozent. Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Harald Schartau (SPD), früher Aufsichtsratsmitglied, erklärte, dass eine feindliche Übernahme von Thyssen-Krupp wegen der Eigentümerstruktur nicht einfach sei: "Ich halte das für ein Gerücht."

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