Wirtschaft : Weber zieht es in Ackermanns Heimat

Ex-Bundesbankchef geht zur Schweizer UBS

Rolf Obertreis/HB
Neuer Job.
Neuer Job.Foto: dapd

Frankfurt am Main - Öffentlich hat er es nie kundgetan, aber Josef Ackermann hätte sich Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber gut als seinen Nachfolger an der Spitze der Deutschen Bank vorstellen können. Auch Weber hatte ein Interesse nie dementiert. Jetzt gibt es überraschend Klarheit: Weber wechselt zwar zu einer Großbank, aber nicht in Frankfurt, sondern in der Schweiz, Ackermanns Heimat. Die UBS in Zürich hat den 54-Jährigen angeheuert. Im Mai 2012 soll Weber in den Verwaltungsrat einziehen, ein Jahr später als Präsident an die Spitze rücken.

Die Schweizer haben damit ihr Nachfolgeproblem elegant, still und letztlich überraschend gelöst. Bei der Deutschen Bank ist indes völlig unklar, wer Ackermann im Mai 2013 folgen könnte. Vor allem der Schweizer steht jetzt dumm da. Aber auch beim eigenwilligen Aufsichtsratschef Clemens Börsig sieht es nicht besser aus. Einen überzeugenden Kandidaten kann auch er nicht vorweisen.

Man stehe in „einem klar strukturierten Prozess“, der Aufsichtsrat werde seine Entscheidung zu gegebener Zeit treffen, lässt Börsig seit Monaten auf entsprechende Fragen mitteilen. Als Anhänger von Weber galt er, der die Suche federführend lenkt, ohnehin nie. Zumindest dieses Problem ist er jetzt los. Nun aber wächst der Druck auf Börsig, sein Amt niederzulegen. Sowohl große institutionelle Anleger als auch die Vorstände der Deutschen Bank drängen in diese Richtung.

Börsig sei in den vergangenen Jahren seiner Aufgabe nicht gerecht geworden, einen Nachfolger für Ackermann zu finden, sagte ein Fondsmanager einer großen Anlagegesellschaft dem „Handelsblatt“. Auch ein Vertrauter Ackermanns spricht von der zweiten großen Pleite Börsigs, nachdem er bereits 2009 keinen geeigneten Nachfolger für Ackermann habe präsentieren können und sich selbst für den Chefsessel ins Gespräch gebracht hatte.

Vorstandsmitglieder und wichtige Großaktionäre wünschen sich nun einen Wechsel Josef Ackermanns an die Spitze des Aufsichtsrates. Noch im April hatte dieser in der „Welt am Sonntag“ einen Wechsel abgelehnt. „Ich werde meinen Vertrag nicht verlängern und auch nicht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank wechseln“, so Ackermanns Festlegung. Diese Festlegung gilt seit heute nicht mehr, wie das „Handelsblatt“ aus zuverlässiger Quelle erfuhr. Ackermann ist bereit, sich in die Pflicht nehmen zu lassen.

Weber hält sich an die der Bundesbank gegebene Zusage, ein Jahr Auszeit zu nehmen und sich einen Wechsel ins Lager der Großbanken offiziell genehmigen zu lassen. Der Bundesbank-Vorstand wird dies wahrscheinlich am 12. Juli tun. Derzeit lehrt der Ex-Notenbanker, der im Februar überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte, als Gastprofessor an der Universität in Chicago. Bei der Generalversammlung der UBS soll Weber in den Verwaltungsrat gewählt werden. Rolf Obertreis/HB

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