Wirtschaft : Weberbank-Gesellschafter fordern Millionen

Ein altes Verkaufshindernis kehrt auf die Tagesordnung zurück / Auch Sarrazin ist „auf 180“, sorgt aber selber für Verwunderung

M. Döbler[D. Rhee-Piening],U. Zawatka-Ger

Berlin - Die starke Stellung der persönlich haftenden Gesellschafter der Weberbank stört erneut den geplanten Verkauf der Berliner Privatbank. Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) sei „auf 180“ wegen der wiederholten Verzögerung der Verkaufsverhandlungen und auch über die Höhe der Forderungen, hieß es in Koalitionskreisen. Der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Berlin, der das Institut gehört, beriet am Freitag rund sechs Stunden auch über das Thema. Die Mitglieder des Gremiums wollten sich nicht äußern. „Das Thema ist zu heiß“, sagte ein Teilnehmer dem Tagesspiegel.

Die Verhandlungen haben auch eine politische Komponente. Am Rande einer internationalen Finanzmanager-Tagung im Hotel Adlon zeigte sich WestLB-Chef Thomas Fischer verwundert über Sarrazins Andeutung im Abgeordnetenhaus, am Freitag werde der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen verkündet. Fischer verwies auf die vertraglich vereinbarte Vertraulichkeit. „Im Parlament zu annoncieren, dass das beendet ist, ist doch unmöglich,“ sagte er dem Tagesspiegel.

Der Buchwert der Weberbank, die im vergangenen Jahr einen Überschuss von knapp zehn Millionen Euro erzielte, liegt bei 300 Millionen Euro. Neben dem Privat- und Firmenkundengeschäft sowie den drei Standorten in Berlin mit etwa 300 Mitarbeitern geht es der WestLB auch um die Daten der Online-Kunden. Rund ein Drittel aller Umsätze der Weberbank im Zahlungsverkehr und ein Viertel der Umsätze im Wertpapiergeschäft werden per Internet abgewickelt.

Das einzige bisher offiziell vorgelegte, aber inzwischen zurückgezogene Angebot von Sal. Oppenheim für die gesamte Bank hatte bei 250 Millionen Euro gelegen. Da inzwischen aber das Vermögen des 1949 gegründeten Instituts bei der Bankgesellschaft verbleiben soll, dürfte der Kaufpreis erheblich unter dem Buchwert liegen. Sarrazin hatte die bisher verhandelten Konditionen dennoch als „für Bank und Land positiv“ bezeichnet.

Die WestLB will ihr Geschäft mit Privatkunden neu aufbauen, nachdem sie ihre Sparte Private Banking vor einigen Jahren an Merck Finck verkauft hatte. Für die Bankgesellschaft wäre der Verkauf der Weberbank ein weiterer Schritt auf dem Sanierungskurs.

In der Satzung verankerte Einflussmöglichkeiten und Vetorechte der persönlich haftenden Gesellschafter hatten schon zu Beginn der Verhandlungen als Verkaufshindernis gegolten. Christian Grün, Michael Graf Strasoldo und Andreas Bödecker halten zwar nur rund 2,2 Prozent der Anteile, aber jeder Aktienverkauf ist an ihre Zustimmung gebunden. Und es ist nicht das erste Mal, dass die persönlich haftenden Gesellschafter sehr nachdrücklich für ihre Interessen eintreten. Im Geschäftsjahr 2000 nutzte Weberbank-Chef Grün die Möglichkeit, zusätzliche Kapitaleinlagen in die Bank einzubringen, die dann mit der Dividende verzinst werden. Auf diese Weise erhielt Grün im Jahr 2000 für kurzfristig eingelegte eine Million Euro rund 55 Prozent Zinsen – rund 275000 Euro für ein halbes Jahr. Allerdings kam ihm dabei eine Änderung des Körperschaftsteuergesetzes entgegen, von der auch die Mutter Landesbank profitierte. Diese soll die treibende Kraft gewesen sein und ihr Eigenkapital ebenfalls vorübergehend erhöht haben. Das Verfahren ist zwar juristisch einwandfrei, war aber dennoch später Gegenstand der Prüfungen durch den Bankgesellschaft-Untersuchungsausschuss.

Ein Scheitern der Verhandlungen wäre „wahnsinnig schade für Berlin und die S-Finanzgruppe“, sagte der gebürtige Berliner Fischer, der das Düsseldorfer Zentralinstitut für die rund 130 Sparkassen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg seit gut einem Jahr leitet. Zuvor war er Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. Seit November amtiert er als Präsident des Verbandes Öffentlicher Banken (VÖB).

Bis Ende 2007 muss das Land seinen Mehrheitsanteil von 81 Prozent an dem gesamten Bankgesellschaft-Konzern verkaufen. Das Land will das Bieterverfahren nicht vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2006 beginnen. Im Jahr 2003 war der Verkauf des Konzerns an ein US-Konsortium gescheitert.

Auch bei diesem Verkauf will die WestLB mitmischen. Fischer rief den öffentlich-rechtlichen Bankensektor zu einer gemeinsamen Offerte auf. „Wir werden an der Auktion teilnehmen“, sagte er, ließ aber offen, ob sein Haus auch alleine bieten werde. Erst kürzlich hatte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) die Sparkassen aufgefordert, für die Bankgesellschaft zu bieten. Zu dem Konzern gehören die Berliner Sparkassen und die Landesbank.

Zu den Interessenten zählen nach Angaben aus Branchenkreisen auch alle großen Geschäftsbanken. Kämen sie zum Zuge, würde erstmals ein privater Investor Sparkassen kontrollieren. Derzeit hält die NordLB zehn Prozent an der Bankgesellschaft, hat aber erklärt, ihren Anteil vollständig verkaufen zu wollen.

Die WestLB könnte wohl nur die Weberbank oder die Bankgesellschaft übernehmen, nicht aber beide, denn die EU-Kommission hatte ja just eine Entflechtung des Konzerns gefordert.

Der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft beriet auch über die Daten der Jahresbilanz, die am 12. Mai veröffentlicht wird, und zeigte sich zufrieden mit der Arbeit von Vorstandschef Vetter.

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