Wirtschaft : Weberbank: Senat stoppt den Verkauf des Geldhauses

ball/asi

Der Berliner Senat will den Verkauf der Weberbank stoppen. Zunächst müsse ein Gesamtkonzept zur Sanierung der gesamten Bankgesellschaft Berlin (BGB) erarbeitet werden, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Dienstag. Es könne nicht angehen, dass die gewinnträchtigen Teile der Bank verkauft würden und der Senat auf den defizitären Bereichen sitzen bleibe. Die Patronatserklärung des Landes für sämtliche Schulden der BGB erneuerte Wowereit.

Das Gesamtkonzept soll auf einer Aufsichtsratssitzung der BGB beschlossen werden, die aber wegen der Neubesetzung des Gremiums nicht, wie vorgesehen, am kommenden Sonntag stattfindet. Die Interessen des Landes sollen die neue Finansenatorin Cristiane Krajewski und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder wahrnehmen.

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin Mit Spannung wird die Aufsichtsratssitzung - die wegen der Hauptversammlung Ende August spätestens in drei Wochen stattfinden muss - vor allem deshalb erwartet, weil der Fortgang der Sanierung der BGB davon abhängt. Ohne die Zustimmung des Aufsichtsgremiums kann weder die Neustrukturierung des Konzerns beginnen, noch können die Wirtschaftsprüfer den Jahresabschlussbericht 2000 fertigstellen. Ziel des Vorstandes der BGB ist es, den Konzern neu zu gliedern. Dabei soll das Privatkundengeschäft (Retail) - bestehend aus der Sparkasse und der Berliner Bank - unter die Führung der Landesbank Berlin LBB gestellt werden. Das Kapitalmarkt- und Gewerbekundengeschäft (Wholesale) will der Vorstand unter dem Dach der BGB selbst ansiedeln und den Immobilienbereich unter der Berlin Hyp zusammenfassen. Noch immer unklar ist zudem die Rückabwicklung des Geschäftes um die Immobilientochter IBAG. Der Vorstand der BGB hatte dem Aufsichtsrat am 1. Juni Konzepte für den Rückkauf der IBAG vorgelegt. Die IBAG war formal an die karibische Firma Greico gegangen. Der Vorstand empfahl in einer Vorlage für die Aufsichtsratssitzung am 1. Juni einen Rückkauf, der eine "zusätzliche Überschreitung der Großkreditgrenze um 2,486 Milliarden Euro" zur Folge hat. Ein Großkreditnehmer (wie IBAG) darf nicht mehr als 25 Prozent der Eigenmittel der Bank in Anspruch nehmen. Die BGB verfügt über Eigenkapital von rund 4,5 Milliarden Euro, der durch die IBAG besetzte Kreditteil würde 2,5 Millarden Euro betragen - und damit mit 45 Prozent deutlich über der Großkreditgrenze liegen.

Um die Quote auf 20 Prozent zu senken, müsste das Engagement auf 1,1 Milliarden zurückgeführt werden. Zur Beschlussfassung empfahlen die Banker dem Aufsichtsrat, eine "Ablösung der IBAG-Kredite durch Drittbanken" zu prüfen, was Insidern zufolge wegen der finanziellen Lage der IBAG beinahe unmöglich ist.

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