Wirtschaft : Weberbank sieht Trennung von der Landesbank als Chance

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Die Berliner Privatbank Weberbank sieht die Trennung von der Landesbank Berlin (LBB) positiv. "Für uns ist das eine zusätzliche Chance", sagte Christian Grün, einer der drei persönlich haftenden Mitgesellschafter der Bank am Montag in Berlin. Jeder Partner, der das Geschäft der Weberbank besser ergänze als die LBB sei besser, sagte Grün. Mit einem neuen Mitgesellschafter könne man möglicherweise neue Kundenkreise erschließen oder Bankgeschäfte für ihn abwickeln - und so neue Größenvorteile erzielen. Die Zusammenarbeit mit der Landesbank Berlin, die knapp 95 Prozent an der Weberbank hält, sei ausgesprochen gut. Allerdings arbeiteten Landesbank und Weberbank im selben Markt mit denselben Kunden.

Landesbank und damit auch Weberbank gehören zur Bankgesellschaft Berlin, von der sich das Land als Mehrheitseigentümer in diesem Jahr trennen will. Die Verkaufsverhandlungen des LBB-Anteils hätten offiziell noch nicht begonnen, würden aber derzeit vorbereitet. Die drei persönlich haftenden Gesellschafter der Bank, Andreas Bödecker, Michael Graf Strasoldo und Grün, die knapp fünf Prozent der Anteile halten, müssen dem Verkauf der 95 Prozent zustimmen. Grün schloss nicht aus, dass sie ihren Anteil im Zuge der Transaktion erhöhen könnten.

Grün bestätigte, dass es für ihn und die beiden anderen Gesellschafter eine Obergrenze für die persönliche Haftung gibt. Oberhalb dieses Betrages, den er nicht beziffern wollte, übernehme die Landesbank die Haftung. "Das moderne Bankgeschäft von heute kann Größenordnungen erreichen, die vom Vermögen einzelner Privatpersonen nicht mehr abgedeckt werden können", begründete Grün die Regelung. "Der Spiegel" hatte berichtet, die drei Vorstände hätten sich "weitgehend von der Haftung freistellen lassen". Einige Wirtschaftsprüfer der Bankgesellschaft hätten kritisiert, angesichts der Freistellung seien die hohen Gehälter und andere Vorteile nicht gerechtfertigt. Grün betonte, die Gesellschafter würden immerhin bis zu der Obergrenze haften, was sie als Privatbankiers von anderen Bankenvorständen unterscheide.

Die Krise um die angeschlagene Bankgesellschaft hat sich Grün zufolge nicht auf die Weberbank ausgewirkt. "Die Kunden wissen, dass wir ein vollständig eigenes Bankgeschäft machen." Wegen höherer EDV-Aufwendungen etwa für den Aufbau des Online-Geschäfts sank das Betriebsergebnis vor Steuern um knapp fünf Prozent auf 17,5 Millionen Euro. Auf Grund der Steuerreform blieb der Jahresüberschuss dennoch konstant bei 13 Millionen Euro. Dies bedeute eine Ausschüttung von 25 Prozent auf das gezeichnete Kapital. Auch 2002 hoffe er auf ein ähnliches Ergebnis.

Die Bilanzsumme der Bank ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Sie verringerte sich von 6,1 auf 5,4 Millionen Euro. Seit der Fusion vor acht Jahren mit der Förderbank Berliner Industriebank AG will die Weberbank diesen Berich abschmelzen und sich auf das Geschäftsbankengeschäft konzentrieren. Das Fördergeschäft habe sich auf 15 Prozent von 30 Prozent im Jahr 2000 verringert, während der Anteil des Geschäftsbankengeschäftes sich auf 85 Prozent von 70 Prozent im Jahr 2000 vergrößert habe. "Wir wollen den Abschmelzungsprozess des Fördergeschäftes im Jahre 2002 abschließen", kündigte Grün an. Zufrieden zeigte sich Grün mit dem Online-Geschäft. Insgesamt nutzten 6,3 Prozent der Kunden den Online-Banking und Online-Brokerage-Service.

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