Wechsel an der Spitze : Die Postbank wechselt den Chef aus

Der Vorstandsvorsitzende Klein geht nach nur zwei Jahren. Grund ist wohl der Streit über Bonuszahlungen.

Rolf Obertreis
279121_0_734c7171.jpg

Frankfurt am Main - Die Postbank hat sich überraschend von ihrem Chef Wolfgang Klein getrennt. In gegenseitigem Einvernehmen hätten Klein und der Aufsichtsrat entschieden, dass sein Mandat als Vorstandsvorsitzender wegen unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Geschäftspolitik zum 30. Juni endet, teilte die Postbank am Freitag mit. Nachfolger soll Stefan Jütte werden, bisher Kreditvorstand des Instituts.

Der Wechsel an der Spitze der Postbank kommt auch für den Großaktionär Deutsche Bank unerwartet. „Die Deutsche Bank ist überrascht. Wir werden unsere Kooperation und unsere gemeinsamen Projekte mit der Postbank gleichwohl unverändert fortsetzen“, sagte Deutsche-Bank-Sprecher Michael Lermer. Demnach gibt es zumindest zwischen der Deutschen Bank und der Postbank keine Unstimmigkeiten über die künftige Strategie, mit der beide Häuser das Privatkundengeschäft in Deutschland ausbauen wollen. Seit Ende Februar hält die Deutsche Bank 25 Prozent plus eine Aktie an der Postbank und besitzt damit eine Sperrminorität.

Entgegen den Angaben der Postbank stecken hinter dem überraschenden Rücktritt von Klein, der seit 1. Juli 2007 an der Spitze des Instituts steht, keine Differenzen über die Strategie. Vielmehr geht es um das Verhalten des 45-jährigen Managers im Zusammenhang mit den Bonuszahlungen, die er nach der Übernahme des Postbank-Anteils durch die Deutsche Bank erhalten hatte. Klein hatte Mitte Februar auf der Bilanzpressekonferenz ausdrücklich betont, dass der Bonus für den Vorstand wegen des hohen Verlustes von 821 Millionen Euro im Jahr 2008 gestrichen sei. Wenige Tage danach sickerte durch, dass die Top-Manager der Bank einen Sonderbonus von fast zwölf Millionen Euro für den Teilverkauf an die Deutsche Bank kassiert hatten. Allein Klein bekam 2,4 Millionen Euro.

Die Empörung in der Öffentlichkeit und auch in der Postbank war enorm. Klein selbst jedoch konnte die Aufregung nicht verstehen. Der Verkauf sei einer der „ungewöhnlichsten Unternehmensverkaufsprozesse der jüngeren Geschichte“ gewesen. Außerdem habe man „nächtelang und übers Wochenende gearbeitet“. In eher beleidigter Manier bot Klein dem Aufsichtsrat an, „2009 für ein Jahresgehalt von einem Euro zu arbeiten“.

Dies Verhalten sorgte offenbar auch für Verärgerung bei Post-Chef Frank Appel, der auch Aufsichtsratschef der Postbank ist. Die Konsequenz sei, so heißt es in Frankfurt, der jetzt verkündete Abschied von Klein nach nur zwei Jahren an der Spitze der Bank. Einige Beobachter vermuten allerdings auch, dass Klein nach dem Einstieg der Deutschen Bank für sich keine große Perspektive mehr gesehen hat, zumal die Postbank mittelfristig komplett übernommen werden soll.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hatte erst am Dienstag auf der Hauptversammlung ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Postbank gelobt. „Das Institut bietet mit Einlagen in Höhe von circa 100 Milliarden Euro von 14 Millionen Kunden eine wertvolle strategische Option für unser Privatkundengeschäft.“ Aus der vereinbarten Kooperation erwartet Ackermann für beide Häuser jeweils Nutzen in Höhe von 120 bis 140 Millionen Euro. „Wenn wir unsere Optionen nutzen, können wir gemeinsam mit der Postbank im deutschen Heimatmarkt unangefochten die Nummer eins werden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben