Wirtschaft : Wechsel der Telefongesellschaft wird billiger

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Der Wechsel von Kunden der Deutschen Telekom zu anderen Anbietern von Telefonanschlüssen wird billiger. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat die Gebühren gesenkt, die alternative Telefongesellschaften an den ehemaligen Monopolisten bezahlen müssen, wenn sie Kunden von der Telekom übernehmen wollen. Der Präsident der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, erwartet von der Preissenkung eine positive Wirkung auf den Wettbewerb bei Telefonanschlüssen. Seine Behörde leiste mit der Entscheidung einen weiteren Beitrag zur Stimulation des Ortsnetzwettbewerbs. Die Wettbewerber der Telekom kritisieren, die Preissenkungen um bis zu 24 Prozent gingen nicht weit genug. Die Telekom hält die Preise dagegen für zu niedrig.

Über die Wechselgebühren streiten die Telekom und ihre Wettbewerber seit Jahren. Während die Telekom hohe Kosten beim Umschalten der Kunden auf die Leitungen der anderen Anbieter geltend macht, sehen die Wettbewerber bei den einmaligen Entgelten ein Haupthindernis für den Wettbewerb im Ortsnetz. Hier hat die Telekom immer noch einen Marktanteil von 97 Prozent. Der ehemalige Monopolist muss Wettbewerbern die eigenen Leitungen gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. So soll verhindert werden, dass andere Telefongesellschaften eigene Leitungen verlegen müssen, wo bereits ein Anschluss besteht. Die Preise, die die Telekom verlangen darf, müssen von der Regulierungsbehörde genehmigt werden. Zahlen müssen zunächst die Wettbewerber, am Ende jedoch zahlt der Kunde über die Telefongebühren. Neben dem monatlichen Mietpreis (12,48 Euro für einen herkömmlichen Anschluss) müssen die Wettbewerber einmalig auch Bereitstellungs- und Kündigungsentgelte bezahlen.

Nach der Entscheidung der Regulierungsbehörde darf die Telekom für die am häufigsten nachgefragte Variante, die Übernahme der einfachen Kupferdoppelader ohne Schaltarbeiten beim Endkunden, künftig einmalig 70,56 Euro verlangen statt bisher 92,59 Euro. Das entspricht einer Senkung um rund 23,8 Prozent. Für Neuschaltungen sinken die Preise zwischen 6,2 Prozent und 20,5 Prozent. Bei Kündigung der einfachen Kupferdoppelader sind künftig nur noch 34,94 Euro statt 38,06 Euro zu zahlen, wenn der Kunde zu einem anderen Telekom-Wettbewerber wechselt oder zur Telekom zurückkehrt - eine Preissenkung um rund 8,2 Prozent. Die Preise gelten bis Juni 2003.

Statt wie erhofft eine deutliche Absenkung der Preise für die Bereitstellung der Anschlüsse vorzunehmen, habe die Behörde lediglich Zahlenkosmetik betrieben, kritisiert Rainer Lüddemann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften (Breko). "Jede Absenkung um weniger als 50 Prozent ist Makulatur und verschleiert die tatsächlich recht niedrigen Bereitstellungskosten", sagte Lüddemann.

Bernd Schlobohm, Vorstandschef der QSC AG, die schnelle Internetanschlüsse mit DSL-Technik anbietet, kritisierte die Preisnachlässe als zu gering, um den stagnierenden Wettbewerb im Ortsnetz voranzubringen. "Offensichtlich ist dies massiver politischer Einflussnahme zu verdanken. Denn die Preissenkungen orientieren sich nicht an den Bereitstellungskosten der Telekom, die tatsächlich sehr viel niedriger sind."

Doch auch die Telekom ist nicht zufrieden. "Wir bedauern, dass unsere Vorstellungen nicht berücksichtigt wurden", sagte ein Sprecher. Die Telekom hatte beim Umschalten einen Preis von 84,50 Euro und bei der Kündigung von 35,40 Euro beantragt.

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