Wirtschaft : Wechselkurs ist eines der bestgehüteten Geheimnisse

ROLF OBERTREIS

Für Deutsche Anleger stehen Milliarden auf dem Spiel / Anfang Mai wird das Euro-Umtauschverhältnis festgezurrtVON ROLF OBERTREISEs zählt derzeit zu den Geheimnissen, die am besten gehütet werden.Viele würden viel darum geben, wenn sie den Schleier nur ein wenig lüften könnten.Aber die europäischen Notenbanken und das Europäische Währungsinstitut (EWI) in Frankfurt halten dicht: Erst Anfang Mai, wenn die Teilnehmer der Europäischen Währungsunion (EWU) bestimmt werden, wird zumindest in Ansätzen klar sein, wie und zu welchen - unwiderruflich fixierten - Kursen die Währungen der Teilnehmerstaaten in Euro getauscht werden.Die Staats- und Regierungschefs werden dann zu einem kundtun, nach welchem Verfahren - Stichtag- oder Durchschnittskurs - die Eurotauschkurse ermittelt werden.Und sie werden mit der Festlegung der Kurse zwischen den einzelnen Teilnehmerländern auch eine Orientierung geben für die endgültigen Kurse der nationalen Währungen zum Euro. Das Verfahren ist brisant und nicht ganz einfach.Brisant, weil es die Grundlage dafür schaffen muß, daß bis Ende 1998 an den Devisenmärkten nicht noch heftig spekuliert wird.Nicht einfach, weil das Europäische Währungssystem (EWS) und der ECU - European Currency Unit oder Europäische Währungskorb - Voraussetzungen für das Verfahren sind.Schließlich ist der Vorgang von erheblicher wirtschaftlicher und damit zumindest auch indirekt politischer Bedeutung, weil mit der Einführung des Euro am 1.Januar 1999 die Tauschkurse der Teilnehmerländer unwiderruflich und auf "Gedeih und Verderb", wie Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer betont, festgelegt werden. Schon der Vertrag von Maastricht sorgt dafür, daß der Euro-Startkurs nicht dem Zufall entspringt.Gegenüber Drittwährungen wie dem Dollar oder dem Schweizer Franken soll der Euro den gleichen Wert haben wie der Ecu.Mit anderen Worten: Der Euro muß im Verhältnis 1:1 zum Ecu umgestellt werden.Der Euro muß außerdem die realen wirtschaftlichen Gegebenheiten widerspiegeln: Die Deutschen etwa müssen mit dem Euro in den Euro-Staaten genausoviel kaufen können wie davor mit der D-Mark. Entscheidende Bedeutung für die Festlegung der Kurse der nationalen Währungen zum Euro kommt dem EWS zu.Die Leitkurse des Währungssystems geben eine wichtige Orientierung für den Tauschkurs zum Euro.Denn der Ecu ist das zentrale Element im EWS.Um Währungsschwankungen zu vermeiden und damit wirtschaftliche Risiken zu mindern, sorgt das EWS bereits seit 1979 - allerdings mit zeitweise heftigen Krisen - für Stabilität im europäischen Währungsgeschehen.Die Kurse der - nach der jüngsten Aufnahme der griechischen Drachme - 13 Währungen dürfen lediglich in einer Bandbreite von 15 Prozent um den Leitkurs nach oben und unten schwanken.Bis zur EWS-Krise 1993 waren es sogar nur 2,25 Prozent. Mit der zunehmenden Angleichung der europäischen Volkswirtschaften seit zwei Jahren allerdings weichen die Kurse kaum noch von ihren Leitkursen ab.Jede Währung des EWS hat auch einen festen Leitkurs zum Ecu.Dem Vertrag von Maastricht zufolge liegen diese Kurse seit 1996 fest.Der Ecu selbst setzt sich zusammen aus einem Korb von 13 Währungen.Jede Währung ist dabei entsprechend der jeweiligen Wirtschaftskraft berücksichtigt.Seit der Aufnahme der Drachme am 16.März gelten neue Leitkurse.Ein Ecu sind seitdem 1,97738 DM. Nach strenger Auslegung der Vertragsvorschriften müßte sich der Wert des Euro nach den Kursen der EWS-Währungen am 31.Dezember 1998 richten.Weil dies aber Raum für Spekulationen lassen würde, deutet alles darauf hin, daß die Ecu-Leitkurse das Umtauschverhältnisse bestimmen werden.Damit wird die EWU praktisch am ersten Mai-Wochenende festgezurrt. Trotzdem freilich muß ein Euro dann nicht 1,97738 DM sein.Grund: Im Währungskorb Ecu sind mit dem britischen Pfund, der griechischen Drachme und der dänischen Krone drei Währungen von Ländern dabei, die am Anfang nicht zur Währungsunion gehören werden.Immerhin ist das Pfund im Ecu-Korb mit elf Prozent gewichtet.Andererseits gehören die finnische Markka und der österreichische Schilling nicht zum Währungskorb. Wegen dieser Konstellation können sich die Ecu-Leitkurse durchaus noch verändern.Die bilateralen Kurse, die Anfang Mai festgelegt werden, sind damit nur eine Orientierung.Allerdings eine relativ genaue.Die Notenbank werden dafür sorgen, daß dies auch am 31.Dezember 1998 so ist. An einem etwas höheren oder tieferen Ecu-Kurs hängt im übrigen viel.Steigt der Tausch-Kurs Ecu/DM nur um ein Prozent, legen die Anleger in Deutschland drauf.Um 30 Mrd.DM würden sie dadurch ärmer, haben Experten ausgerechnet, denn für jeden Euro müßten sie zwei Pfennig mehr aufwenden.

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