Wirtschaft : "Wechselkurs wird sich wieder stabilisiern"

Der Euro ist heute weiter gefallen[wo ist die Sch]

Bernhard Herz ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth mit dem Schwerpunkt Geldpolitik. Mit ihm sprach Karin Birk.

Der Euro ist heute weiter gefallen, wo ist die Schallmauer?

Kurzfristig ist ein weiteres Absinken durchaus möglich. Niemand kann aber seriös sagen, wie lange die Abwertung anhält. Auf Jahresfrist spricht aber viel für eine Trendwende zugunsten des Euro.

Warum ist dann die Aufregung so groß?

Das liegt sicher an der magischen Grenze von 1:1, die jetzt durchbrochen wurde. Rein ökonomisch ist das aber nicht bedeutend, zumal diese Entwicklung nicht von einem Tag auf den anderen kam. Seit gut einem Jahr wertet der Euro gegenüber dem Dollar ab. Und eigentlich passt das auch ganz gut in die weltwirtschaftliche Landschaft. Denn durch die Abwertung werden europäische Güter gerade in USA konkurrenzfähiger und umgekehrt US-Produkte hier teurer. Angesichts der Unterauslastung der Kapazitäten hier und des Nachfragebooms in den USA ist dies zu begrüßen.

Europa und USA bewegen sich im Wachstumstempo also aufeinander zu?

Ganz genau. Und damit wird sich auch der Wechselkurs wieder stabilisieren. Hinzu kommt, dass der Dollar über kurz oder lang auch wegen des hohen Leistungsbilanzdefizits in den USA abgwertet werden muss. Bei einem ähnlichen hohen Defizit in den 80iger Jahren hat der Dollar innerhalb eines Jahres um 50 Prozent abgewertet.

Aber von der EZB werden Schritte erwartet

Wenn die EZB jetzt die Zinsen erhöht, würde sie nur den Aufschwung gefährden und deflationär wirken. Die EZB muss jetzt zeigen, wie unabhängig sie ist.

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