Wechselkurse : Schweizer Nationalbank verliert 30 Milliarden Euro

30 Milliarden Verlust im ersten Quartal – so steht es auf dem Papier. Die Schweizer Nationalbank SNB musste im ersten Quartal den größten Verlust ihrer Geschichte einräumen. Schuld ist der teure Franken. Und die Währungshüter selbst.

Derzeit kostet ein Franken rund 1,05 Euro. Aufgrund der Aufwertung der Schweizer Landeswährung schreibt die Nationalbank Milliardenverluste. Foto: dpa
Derzeit kostet ein Franken rund 1,05 Euro. Aufgrund der Aufwertung der Schweizer Landeswährung schreibt die Nationalbank...Foto: dpa

Der radikale Kurswechsel mit der Entkoppelung des Franken vom Euro hat der Schweizer Notenbank den größten Quartalsverlust ihrer Geschichte eingebrockt. Die riesigen Devisenbestände sorgten in den ersten drei Monaten für einen Fehlbetrag von 30 Milliarden Franken, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag mitteilte. Die Währungshüter hatten lange einen Mindestkurs des Franken zum Euro garantiert. Als dies Mitte Januar zurückgenommen wurde, wertete der Franken massiv auf.

Goldbestände jetzt eine Milliarde weniger wert

Entsprechend musste die SNB auf ihren in anderen Währungen gehaltenen Anlagen Wechselkursverluste von insgesamt 41,1 Milliarden Franken hinnehmen.
Auch die Goldbestände der Notenbank sind mittlerweile eine Milliarde Franken weniger wert. Kursgewinne auf Aktien und Anleihen dämpften dagegen den negativen Einfluss der Währungen und des Edelmetalls auf das Ergebnis. Die Strafzinsen auf Einlagen der Geschäftsbanken bei der SNB spülten 236 Millionen Franken in die Kasse. Die SNB stemmt sich mit diesen Negativ-Zinsen gegen die massiven Geldströme in den Franken und den für die exportorientierte Industrie schädliche Aufwertung der Landeswährung. Einlagen bei der Zentralbank werden aktuell mit einer Gebühr von 0,75 Prozent belastet.
Die SNB-Devisenreserven in Höhe von 532 Milliarden Franken waren Ende März zu 42 Prozent in Euro angelegt, 32 Prozent entfielen auf den Dollar. Das Ergebnis der Zentralbank ist überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängig und traditionell starken Schwankungen ausgesetzt. Rückschlüsse von einzelnen Quartalen auf das Jahresergebnis sind nur bedingt möglich.
2014 hatte die SNB einen Gewinn von 38 Milliarden Franken eingefahren.

Abkehr vom Euro-Mindestkurs trotzdem richtig

Der riesige Quartalsverlust führe deutlich vor Augen, welches Risiko die SNB eingegangen wäre, hätte sie länger am Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken festgehalten, erklärte Devisenexperte Peter Rosenstreich vom Broker Swissquote. “Auch wenn es unpopulär ist, das zu sagen: Die unverblümte Aufgabe der Untergrenze war die richtige Strategie.“ Aktuell werden für einen Euro 1,05 Franken bezahlt. In der vergangenen Woche war die Gemeinschaftswährung im Sog des Griechenland-Schuldenstreits sogar bis auf Kurse knapp über 1,02 Franken abgesackt.
Die Fähigkeit der SNB, einer erneuten Franken-Aufwertung mehr als verbale Interventionen entgegenzusetzen, beurteilt Rosenstreich skeptisch. Nach der heutigen Veröffentlichung seien die Kosten eines direkten Eingreifens am Devisenmarkt leicht abzuschätzen, und die Wirkung von Negativzinsen sei limitiert. Spekulationen, die Notenbank versuche mit Euro-Käufen den Franken zu schwächen, kommen immer wieder auf. Notenbankchef Thomas Jordan und seine beiden Direktoriumskollegen haben wiederholt gesagt, dass sie auch nach der Abkehr von der mehr als drei Jahre geltenden Euro-Kursuntergrenze eingreifen wollen, falls wieder eine Geldwelle auf die Schweiz zurollen sollte. (Reuters)

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