WEF - „Globaler Burnout“ : Der Euro im Zeichen der Verunsicherung

Das Weltwirtschaftsforum in Davos beginnt im Zeichen der Verunsicherung. Denn: Schuldenkrise und politische Veränderungen erwecken den Eindruck eines "globalen Burnouts".

Schrauben an der Krise. 2600 Teilnehmer werden diesmal in Davos erwartet. Foto: rtr
Schrauben an der Krise. 2600 Teilnehmer werden diesmal in Davos erwartet. Foto: rtrFoto: REUTERS

Die globale Verunsicherung erfasst auch das Jahrestreffen der Mächtigen und Reichen. Schuldenkrisen und politische Umwälzungen erweckten „den Eindruck eines globalen Burnout-Syndroms“, sagt Klaus Schwab, Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Schweizer Alpenkurort Davos. Die Welt brauche Reformideen, neue Modelle für zeitgemäße Führung in Politik und Wirtschaft. „Lassen Sie uns Lösungen suchen“, lautet Schwabs Auftrag für die 42. Ausgabe des Forums, das an diesem Mittwoch beginnt.

„Der Kapitalismus in der bisherigen Form passt nicht länger zu unserer Welt“, diagnostiziert Schwab. Das Forum, das der legendäre Netzwerker 1971 als junger Wirtschaftsprofessor gründete, zieht diesmal 2600 Teilnehmer an – so viele wie nie zuvor. Die mächtigste Frau Europas, Bundeskanzlerin Angela Merkel, hält die Eröffnungsrede. Aus fast 40 weiteren Ländern reisen Staats- und Regierungschefs an, 19 G-20-Staaten sind vertreten. Alle G-8-Finanzminister kommen, ebenso 1600 Wirtschaftsführer. Insgesamt 1000 Mitgliedsunternehmen des WEF sind präsent.

Schwabs Bestandsaufnahme der aktuellen Lage fällt ernüchternd aus: „Wir haben die Lektionen aus der Finanzkrise von 2009 nicht gelernt. Wir sind überschuldet. Wir haben Zukunftsinvestitionen vernachlässigt, wir haben den sozialen Zusammenhalt geschwächt, und wir laufen Gefahr, das Vertrauen künftiger Generationen vollständig zu verlieren.“ 50 globale Gefahren listet der vom WEF mitverfasste „Global Risk Report 2012“ auf. Viele dieser Risiken näherten sich „dem Umkipp-Punkt“ – also dem Punkt, von dem an drastische Veränderungen sehr schnell ablaufen können, warnen die Autoren. Zu den Risiken, die sie als die folgenschwersten und wahrscheinlichsten einschätzen, zählen chronische finanzielle Ungleichgewichte, gravierende Einkommensunterschiede, Nahrungs- und Wasserkrisen, der Anstieg der Treibhausgase, Terrorismus, Cyber-Attacken und Korruption. „Veraltete und bröckelnde“ Regierungs- und Führungsmodelle führten nur tiefer in die Krise. Deshalb bindet das WEF erstmals junge Menschen aus 140 Städten in aller Welt in die Debatten ein. „Die große Transformation – neue Modelle gestalten“, lautet das Motto des 42. Weltwirtschaftsforums.

Wie Schatten liegen die Staatsschuldenkrisen in Europa und den USA über dem verschneiten Landwassertal. Der Kampf um den Griechenland-Schuldenschnitt und der Streit über die Architektur des europäischen Rettungsschirms dürften die Diskussionen überlagern. Mit Spannung erwartet werden die Besuche von IWF-Chefin Christine Lagarde, Weltbank-Präsident Robert Zoellick, EZB-Chef Mario Draghi, US-Finanzminister Timothy Geithner und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die Kosten für ihren Schutz werden auf sieben Millionen Euro geschätzt. Die Vorkehrungen reichen bis zur Alarmbereitschaft der Schweizer Luftwaffe mit mehreren Kampfjets.

So viel konzentrierte Macht, so viel Nähe von Politik und Wirtschaft, streng vertrauliche Kaminzimmergespräche in einem abgelegenen Bergdorf im Kanton Graubünden – seit Jahrzehnten erzeugt Davos auch Misstrauen. Das WEF sei eine heimliche, nicht demokratisch legitimierte Weltregierung, lautet ein Vorwurf. Gründer Schwab hält dagegen: „Wir sind keine Plattform für Entscheidungsfindung. Wir sind die Plattform für das Suchen nach Lösungen.“ Ganz anders sehen das die Aktivisten der globalen Bewegung Occupy, die abseits des Konferenzgeländes ein Iglu-Dorf errichtet haben, um von dort aus gegen Finanzspekulanten und für eine umweltfreundlichere Weltwirtschaft zu kämpfen. dpaOCCUPY WEF]

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