Wirtschaft : Weg frei für neue Adressen im Netz

Paris/Berlin - Im Internet steht eine Revolution bevor. Die Internetaufsicht Icann lässt ab dem kommenden Jahr auch Webadressen mit frei wählbaren Endungen wie .liebe oder .berlin zu. Die Neuerung werde „die Art und Weise stark verändern, wie das Internet aussieht und funktioniert“, sagte der Icann-Vorsitzende Dengate Thrush in Paris. Doch die Wahlfreiheit hat ihren Preis: Mehr als 100 000 Dollar kostet der Kauf einer neuen Endung hinter dem Punkt – ganz abgesehen von den Kosten für die technische Verwaltung von möglicherweise Millionen Nutzernamen für das neue Gebiet im Netz. Icann erwartet deshalb nur einige hundert neue Adress-Endungen.

Die 1,3 Milliarden Internetnutzer weltweit könnten künftig geläufige Wörter, Marken-, Orts-, Firmen- oder Eigennamen als Domains eintragen lassen, sagte Thrush nach der Icann-Hauptversammlung mit 1500 Delegierten. Ab dem dritten Quartal 2009 soll es losgehen, Anträge werden ab dem zweiten Quartal angenommen. Bisher gibt es für die weltweit 160 Millionen Webadressen rund 250 verschiedene Endungen – also Länderbezeichnungen wie .de oder thematische Abkürzungen wie .com (Wirtschaft), .org (Organisationen), .edu (Bildungseinrichtungen) oder .gov (Regierungen).

Künftig könnte es theoretisch eine unbegrenzte Zahl von Adress-Endungen geben. Doch für Normalbürger ist es kaum möglich, sich auf eigene Faust eine Domain zu beschaffen. Der Preis für jeden Neueintrag werde „im niedrigen sechsstelligen US-Dollar-Bereich“ liegen, sagte Icann-Geschäftsführer Paul Twomey. Icann will damit die 20 Millionen Dollar Entwicklungskosten wieder hereinholen.

In Berlin gibt es seit 2005 eine Initiative für die Endung .berlin. Der Senat ist allerdings dagegen – unter anderem, weil Berlin bereits einen gut eingeführten Internetauftritt habe. AFP

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