Wirtschaft : "Weg mit der Lohn- und Einkommensteuer"

Klaus F.Zimmermann ist Direktor des neuen Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, das sich am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit vorstellt.Mit ihm sprach Jobst-Hinrich Wiskow.

TAGESSPIEGEL: Die IG Metall fordert für ihre Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt.Was halten Sie vom nun angekündigten Ende der Bescheidenheit?

ZIMMERMANN: Ich fürchte, es kommt zu früh.Die Lohnbescheidenheit muß fortgesetzt werden, damit neue Arbeit entsteht.

TAGESSPIEGEL: Bislang ist die Rechnung nicht aufgegangen.

ZIMMERMANN: Das stimmt leider.Noch sind die Arbeitnehmer für ihre Lohndisziplin nicht belohnt worden.Das lag aber vor allem an außenwirtschaftlichen Einflüssen.Der Kurs der D-Mark stieg, und deutsche Produkte wurden immer weniger konkurrenzfähig, zum Beispiel gegenüber Waren aus Spanien und Italien.Mit dem Euro ändert sich das.Dann spielen die Wechselkurse keine Rolle mehr.Und das wird die Arbeitslosigkeit abbauen.

TAGESSPIEGEL: Die IG Metall will über höhere Löhne die Nachfrage ankurbeln und auf diese Weise Beschäftigung schaffen.Kann das gelingen?

ZIMMERMANN: Kurzfristig ja.Nachfrage-Impulse können die Arbeitslosigkeit senken, wenn die Produktionskapazitäten voll ausgelastet wären.In Westdeutschland würde die Arbeitslosen-Quote dann um ein Drittel auf rund sechs Prozent zurückgehen.Dann hätten wir eine Million Arbeitslose weniger als heute.Aber die langfristigen Probleme kriegen wir damit nicht in den Griff.

TAGESSPIEGEL: Kann das Bündnis für Arbeit Beschäftigung schaffen?

ZIMMERMANN: Wer immer da auch verhandeln mag: Nur die Unternehmen vor Ort schaffen neue Jobs.

TAGESSPIEGEL: Was wäre zu tun?

ZIMMERMANN: Eine radikale Steuerreform, bei der die Lohn- und Einkommensteuern abgeschafft und dafür die Verbrauchsteuern erhöht werden - zum Beispiel die Mehrwertsteuer.Das bekämpft Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit gleichermaßen.

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