Wirtschaft : Weg vom Flohmarkt

Ebay will sich mit seinem neuen Auftritt ein anderes Image verpassen. In Berlin sollen Jobs entstehen.

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Berlin - „Das ist die größte Veränderung bei Ebay seit dem Start der Plattform“, sagt Devin Wenig. Der Manager, der das weltweite Geschäft des Online-Marktplatzes verantwortet, stellte am Donnerstag in Berlin die neue Strategie für Ebay Deutschland vor. Und die führt die US-Plattform ein Stück weiter weg von ihrem Ursprung als Seite für Auktionen zwischen privaten Nutzern.

Künftig soll ein „Feed“, also ein Strom an Produktvorschlägen, den eingeloggten Ebay-Nutzer begrüßen. Er speist sich aus Interessen und Vorlieben sowie alten Kaufentscheidungen des Kunden. „Die Personalisierung bei Ebay wird stärker, das ist der erste Schritt“, sagte Wenig. Das Ziel der neuen Oberfläche: „Der Kunde soll länger verweilen und stöbern und so mehr kaufen“, sagt der Manager. Durch den Feed werde zusammengebracht, was wir „lieben und brauchen“. In den USA hat das Unternehmen die Oberfläche bereits 2012 eingeführt und berichtet von einem Anstieg der Umsätze.

Das neue System trägt der Veränderung der 1995 gegründeten Plattform Rechnung.2005 hatte Ebay den Festpreis eingeführt, fortan tummelten sich neben den Privatnutzern immer mehr gewerbliche Händler, die Neuware statt Gebrauchtem und Markensachen statt Selbstgebasteltem verkauften. 70 Prozent der Produkte bei Ebay können die rund 120 Millionen aktiven Nutzer der Seite mittlerweile zum Festpreis erwerben.

Auch Markenherstellern kommt Ebay künftig mehr entgegen. Immer wieder gibt es Konflikte mit Unternehmen, die Ebay-Händlern untersagen, ihre Produkte auf der Plattform anzubieten – etwa weil sie niedrige Preise fürchten. Erst kürzlich aber erlaubte ein Berliner Gericht einem Händler, Tornister der Marke Scout auch gegen den Willen des Herstellers bei Ebay zu verkaufen. Die Plattform ermöglicht Herstellern und Handelsfirmen nun, Markenauftritte einzurichten, wo sie ihre Produkte anbieten und auf autorisierte Händler hinweisen können. Der Elektronikhändler Saturn etwa, der versucht, sein Online-Geschäft anzukurbeln, bietet nun eine Seite bei Ebay, bei der Nutzer Produkte in 60 Läden der Kette suchen und bestellen können.

In Deutschland, mit 17 Millionen Nutzern zweitgrößter Markt für Ebay nach den USA, führt der Konzern nun auch ein neues Gütesiegel ein. Das grüne Symbol mit weißem Haken, die „Ebay-Garantie“, das nach Angaben des Konzerns schon jeder dritte gewerbliche Artikel auf der Seite trägt, versichert Nutzern, dass der Anbieter vertrauenswürdig sowie der Versand kostenlos ist und die Widerrufsfrist 30 Tage beträgt. Damit wolle man Vertrauen schaffen, sagt Wenig. Auch das mobile Geschäft will Ebay, das sich gerade für 800 Millionen Dollar den Zahlungsdienstleister Braintree als Ergänzung zur Tochter Paypal gekauft hat, ausbauen. 2008 generierte Ebay ein Handelsvolumen von 600 Millionen Dollar über Smartphones, 2013 sollen es 20 Milliarden sein.

Von der neuen Strategie profitiert auch die Region Berlin-Brandenburg, wo Ebay Deutschland angesiedelt ist: In Dreilinden und Berlin seien in den vergangenen zwölf Monaten 150 neue Stellen geschaffen worden, teilte der Konzern mit. In diesem Jahr sollen rund 70 weitere Jobs hinzukommen. Jahel Mielke

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