Wegen neuer Kreditregeln : Banken wollen EZB-Geld nicht mal "geschenkt"

Die Europäische Zentralbank versorgt die Banken zum Mini-Zinssatz mit Geld - wenn sie dafür mehr Kredite vergeben. Ein neues Angebot der Notenbank stieß jetzt auf erschreckend wenig Nachfrage

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Frankfurt am Main - Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) gewährte erste zusätzliche günstige und langfristige Geldspritze, mit der die EZB die Kreditvergabe im Euro-Raum ankurbeln wollte, ist am Donnerstag bei den Banken auf ein überraschend geringes Interesse gestoßen. 255 Institute aus dem Euro-Raum beschafften sich lediglich 82,6 Milliarden Euro. Beobachter hatten mit mindestens 130 Milliarden Euro gerechnet. Eigentlich wollte EZB-Präsident Mario Draghi mit zwei Angeboten im September und im Dezember insgesamt mindestens 400 Milliarden Euro an die Banken verteilen. „Zumindest dieses erste Geschäft muss als Misserfolg gewertet werden“, sagt Volkswirt Mario Gruppe von der NordLB. Die jetzt gewährten TLTRO-Kredite („targeted longer term refinancing operation“) laufen bis September 2018, der Zins liegt bei 0,15 Prozent. Die Banken müssen das Geld allerdings vorzeitig zurückgeben, wenn sie ihre Kreditvergabe in dieser Phase nicht ausweiten, sondern einschränken.

EZB-Chef Mario Draghis Maßnahmen greifen nicht richtig.
EZB-Chef Mario Draghis Maßnahmen greifen nicht richtig.Foto: dpa

Nach Ansicht von Volkswirten könnte die überraschende Senkung des Leitzinses Anfang September auf nur noch 0,05 Prozent einer der Gründe für die Zurückhaltung der Banken sein. Aber auch der laufende Bilanztest durch die Bankenaufseher, dessen Ergebnisse die EZB dem Vernehmen nach am 26. Oktober verkünden wird, könnte die Banken zur Zurückhaltung veranlasst haben, um sich nicht neue Risiken in die Bücher zu holen.

Nach Ansicht von Ökonom Gruppe zeigt die geringe Nachfrage, dass die Notenbank mit ihren Maßnahmen „nicht so recht weiterkommt“. Auch andere Experten sehen sich in ihrer Skepsis bestätigt. Problematisch scheint auch der von der EZB angekündigte Plan, Kreditverbriefungen (ABS) von den Banken aufzukaufen. Zum einen ist nicht garantiert, dass die Institute das Geld in Form von Krediten wirklich an Unternehmen und Verbraucher weiterleiten. Zum anderen ist das Volumen von ABS-Papieren, die die EZB in Europa kaufen könnte, nach Ansicht von Ökonomen mit etwa 280 Milliarden Euro nicht allzu groß. In Finanzkreisen wird deshalb schon bereits darüber spekuliert, ob die EZB deshalb letztlich sogar riskantere und weniger solide ABS-Papiere aufkaufen könnte, die sie bislang als Sicherheiten von Banken nicht akzeptiert hat, die sich im Eurotower Geld leihen.

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