Wirtschaft : Wegert will Promarkt gesund sparen

Entlassungen, Gehaltsverzicht und die neue Niedrigpreisstrategie sollen das Familienunternehmen in die schwarzen Zahlen führen

Maurice Shahd

Berlin. Die neuen und alten Eigentümer der Elektronikkette Promarkt, Matthias und Michael Wegert, wollen das Unternehmen mit einem strickten Sparkurs und einer neuen Verkaufsstrategie aus der Krise führen. Die Kernpunkte des Sanierungspakets umfassen den Abbau von Arbeitsplätzen, einen Gehaltsverzicht der Mitarbeiter und die Reduzierung von Verkaufsflächen bei unprofitablen Märkten, sagte Michael Wegert dem Tagesspiegel. Gleichzeitig plant Promarkt aber auch eine moderate Expansion mit der Eröffnung neuer Standorte, um Lücken im Filialnetz zu schließen.

Die Brüder Michael und Matthias Wegert hatten die Promarkt-Gruppe im Januar für einen symbolischen Euro vom britischen Kingfisher-Konzern übernommen. Neben den bundesweit 89 Promarkt-Filialen gehören auch 82 Wegert-Fotofachgeschäfte in Berlin zu dem Unternehmen. Die Kette der Fotogeschäfte hatte Firmengründer Egon Wegert nach dem Krieg aufgebaut. Seine Söhne verkauften das Unternehmen 1998 an den finanzkräftigen Handelskonzern Kingfisher, um eine zügige Expansion der Promärkte zu ermöglichen.

Die Briten scheiterten aber mit ihrer Strategie, die deutschen Kunden mit besonders guter Produktqualität und intensivem Service bei hohen Preisen zu locken. In den vergangenen fünf Jahren steigerten sich die Verluste von 1,5 Millionen Euro 1998 auf 55 Millionen Euro im Jahr 2002. „Es war schon traurig zu sehen, wie das Unternehmen heruntergewirtschaftet wurde“, sagte Wegert. „Wir wollen beweisen, dass es geht.“

Die Wende soll jetzt ein hartes Sanierungsprogramm bringen, das auch einen Arbeitsplatzabbau vorsieht. Besondere Probleme hat Promarkt im süddeutschen Raum, wo der Elektronikhändler eine Reihe überdimensionierter Filialen in ungünstigen Lagen betreibt. Hier sollen rund 25 Prozent des Stellenabbaus realisiert werden. Parallel dazu verhandelt er mit den Vermietern über eine Verkleinerung der Flächen und eine Reduzierung der Mieten. „Wir werden aber keinen Standort aufgeben“.

Im nord- und ostdeutschen Raum werden dagegen nur rund zehn Prozent der Stellen abgebaut. „Wir prüfen aber jeden einzelnen Standort. In profitablen Märkten müssen keine Mitarbeiter gehen“, sagte Wegert. Oberste Priorität habe jetzt die Senkung der Kosten. Dabei müssen sich die Beschäftigten auf harte Einschnitte einstellen. Derzeit werde mit dem Betriebsrat über eine Betriebsvereinbarung verhandelt, nach der die Mitarbeiter vorerst auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten müssen. Einen Sozialplan werde es nicht geben.

Um der Belegschaft die Notwendigkeit harter Maßnahmen glaubwürdig zu vermitteln, verzichten die Wegert-Brüder selbst als Geschäftsführer auf ihr Gehalt. Auch die übrigen Führungskräfte sollen laut Wegert nicht gerade üppig verdienen. Um den Managern das Engagement trotzdem schmackhaft zu machen, wurden sie am Unternehmen beteiligt. „Das zeigt, dass wir an den Erfolg glauben“, sagt etwa Marketingleiter Harald Zutz.

Um den Umsatz wieder anzukurbeln, setzt Promarkt auf eine Tiefpreisstrategie. Dafür sollen sämtliche Märkte umgestaltet werden. Statt Service-Ecken und aufwändiger Produktpräsentation sollen wieder Paletten mit Ware das Bild bestimmen. Vorbild sind die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn, die beide zur Metro gehören. Besonders Saturn hat mit seiner Kampagne „Geiz ist geil“ den Nerv der Kundschaft getroffen. Auch in der Promarkt-Werbung steht künftig allein der Preis im Vordergrund. Gespart wird aber auch hier. Die Zeitungsanzeigen sind nüchtern schwarz-weiß und auf TV-Spots verzichtet Promarkt künftig ganz.

Trotz des Sparkurses wird Promarkt im laufenden Jahr mindestens zwei neue Märkte in Berlin und Magdeburg eröffnen. Ein dritter Standort in Hannover ist im Gespräch. Die Finanzierung des Unternehmens ist nach den Worten Wegerts zunächst bis Ende 2004 gesichert. Kingfisher hatte den Wegerts einen Sanierungszuschuss von 55 Millionen Euro und weitere Kredite gewährt. Noch sei der Bedarf nicht da, „im Notfall“ werde Wegert auch eigenes Geld nachschießen. Sein Ziel ist es, bei Promarkt im Jahr 2005 wieder eine „deutliche schwarze Null“ zu schreiben. Bis dahin soll der Umsatz auch wieder das Niveau erreichen, dass Promarkt vor der Übernahme durch Kingfisher erreicht hatte.

Weniger problematisch als bei Promarkt ist die Lage der Wegert-Fotofachgeschäfte, die bereits 2003 wieder Gewinn machen sollen. Nach der Übernahme von zehn Berliner Fachgeschäften der Dose-Gruppe bestimmt Wegert mit 92 Fotoläden den Markt in der Hauptstadt. In den vergangenen Jahren mussten mit Photo Porst, Foto Klinke und Fix Foto drei Foto-Ketten aufgegeben, die in Berlin vertreten waren. „Der Markt ändert sich radikal“, sagte Wegert. Während die Entwicklung analoger Fotos einbreche, boome die Verarbeitung und das Archivieren digitaler Fotos. Allerdings sind für die Einrichtung der Läden mit digitalen Fotostationen hohe Investitionen notwendig. Eine Expansion über die Grenzen Berlins hinaus plant Wegert aber nicht.

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