Wirtschaft : Weichenstellung für die Luftfahrt in Le Bourget

Weltweit größter Aerosalon bei Paris eröffnet / Rexrodt fordert den schnellen Umbau des Airbus-Konsortiums

PARIS (AFP).Auf dem Pariser Regionalflughafen Le Bourget eröffnet Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac am heutigen Sonnabend den 42.Aerosalon.Auf der weltgrößten Luft- und Raumfahrtschau sind in diesem Jahr über 1800 Austeller aus 43 Staaten vertreten, darunter erstmals auch Südkorea, Litauen, Moldawien und Thailand.Aus Deutschland ist insbesondere die Münchener Daimler-Benz Aerospace (Dasa) dabei, die unter anderem am europäischen Airbus-Konsortium und an der deutsch-französischen Hubschraubergesellschaft Eurocopter beteiligt ist.Der Aerosalon, der alle zwei Jahre im Wechsel mit der Luftfahrtaustellung im britischen Farnborough stattfindet, ist die wichtigste Leistungsschau der Luft- und Raumfahrtindustrie im zivilen wie im militärischen Bereich.Bis zum 22.Juni sind in Le Bourget diesmal rund 220 Flugzeuge und Hubschrauber ausgestellt. Große technische Neuheiten wie in den vergangenen Jahren fehlen dieses Jahr allerdings.Boeing stellt die B737-700 vor, die neue Generation seiner zweistrahligen B737 mit 120 bis 200 Plätzen.Bei den Luxus-Geschäftsmaschinen sind die kanadische Global Express und die US-amerikanische Gulfstream V zu besichtigen.Aus dem Hause Airbus kommt der Airbus A 300 Zero-G, der zum Astronautentraining eingesetzt wird.Er ermöglicht sogenannte Parabelflüge, bei denen im Flugzeuginneren für kurze Zeit Schwerelosigkeit herrscht.Die russische Flugzeugindustrie präsentiert das Kampfflugzeug Suchoi 37, dessen Düsen atemberaubende Flugmanöver erlauben.Der französische Flugzeugbauer Dassault stellt das Kampfflugzeug Rafale vor. Angesichts der Kürzungen in den europäischen Verteidigungshaushalten steht hinter der Serienfertigung des rein französischen Rafale jedoch genauso ein Fragezeichen wie hinter dem von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien entwickelten Eurofighter, der ebenfalls zu sehen ist.Die Industrialisierung des von Eurocopter gebauten deutsch-französischen Kampfhubschraubers Tiger dürfte hingegen in Le Bourget besiegelt werden.Deutschland und Frankreich wollen zunächst jeweils 80 Maschinen in Auftrag geben.Von deutscher Seite sollen 212 Maschinen gekauft werden.Erstmals vertreten ist auf dem Aerosalon der europäische Militärhubschrauber NH90. Am Rande der Luftfahrtschau kommen am Montag die Fachminister aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien zusammen, um über die Zukunft des europäischen Airbus-Konsortiums angesichts der gewachsenen US-Konkurrenz zu beraten.Im Januar hatten die Airbus-Partner vereinbart, ihren bislang lockeren Zusammenschluß in Form einer "wirtschaftlichen Interessengemeinschaft" in eine private Kapitalgesellschaft umzuwandeln.Über die genauen Modalitäten herrscht bislang Unklarheit.Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt forderte am Freitag den zügigen Umbau des Konsortiums.Die Umstrukturierung zu einer "schlagkräftigen europäischen Kapitalgesellschaft" dulde keinen Aufschub, nachdem der Hauptkonkurrent Boeing mit McDonnell Douglas fusioniert hate.Rexrodt betonte, er werde auf eine ausgewogene Verteilung von Standorten und Beschäftigung in den beteiligten Ländern achten.Im übrigen plädiere er für die Aufnahme weiterer industrieller Partner.An Airbus sind die Dasa und die französische Aerospatiale mit jeweils 37,9 Prozent sowie die British Aerospace mit 20 Prozent und die spanische Casa mit 4,2 Prozent beteiligt. Für das Publikum ist die Fachmesse nur an diesem Sonntag sowie am kommenden Wochenende, am 21.und 22.Juni, geöffnet. Vor zwei Jahren besuchten über 320 000 Menschen den Aerosalon, darunter mehr als 3000 Journalisten aus 72 Staaten.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben