Wirtschaft : Weihnachten? Geschenkt!

Für ein stilvolles Weihnachtsfest braucht sich niemand mehr zu ruinieren. Der Handel liefert sich in der Adventszeit einen Preiskampf wie nie zuvor. Verbraucherschützer raten bei der Schnäppchenjagd zur Vorsicht

Deike Diening,Sören Kittel

Von Deike Diening

und Sören Kittel

Weihnachten ist ein Termingeschäft. Das allergünstigste Weihnachten kann man folglich feiern, wenn man es einfach ein paar Tage nach hinten verlegt. Auf den 29. oder so. Dann, das ist die Logik des Geschäfts, ist das Gebäck billiger, die Dekorationen kosten die Hälfte und an den Supermarktkassen liegen haufenweise Dominosteine im Weg. Verfallen ist allein ihr Preis. So war das in den letzten Jahren immer.

Doch in diesem Jahr beginnt das Reduzieren schon vor dem Fest – und niemand muss sich zu Weihnachten mehr ruinieren. Denn wie nervös gewordene Schützen feuern die Einzelhändler mit Rabatten: H&M schaltet ganzseitige Anzeigen, die 50 Prozent Rabatt bewerben, Karstadt reduziert Spielzeug, Wertheim Orientteppiche und ein Sportausrüster seine Ski. Die klassischen Weihnachtsgeschenke sind keineswegs ausgenommen von den Aktionen. Im Gegenteil. Zeitungspapier gewinnt einen ganz neuen Wert, wenn man sich die Coupons der Galeria Kaufhof ausschneidet: Zehn oder 20 Prozent Rabatt in der Spiel- und Haushaltswarenabteilung und in der Parfümerie. Weihnachts-Extra-Rabatt.

Zu früh, sagen die Branchenverbände und Firmenchefs, viel zu früh. Denn der Preis, das ist die Logik des Weihnachtsgeschäfts, wird den Leuten am Ende erst unwichtig, wenn sie verzweifelt ein Geschenk finden müssen. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, findet das nicht schön, „aber wir leben in einem freien Land.“ Gerade, wenn man bedenke, wie hoch die Investitionen der Händler seien – die Dekoration, die Aktionen, die Musik. „Wenn Sie vor Weihnachten durch die Geschäfte gehen, können Sie sich satt sehen“, sagt Pellengahr.

Rabatte überprüfen

Thea Brünner, Vorsitzende der Verbraucherzentrale Berlin, rät den Kunden, die vorweihnachtlich günstigen Preise ruhig zu nutzen. Viel deutlicher könnten die Preise auch nach Weihnachten kaum noch sinken – sonst müssten die Händler mit dem Verschenken beginnen. „Wenn man weiß, was man will, sollte man Anschaffungen nicht mehr verschieben“. Beim Einkauf solle man aber darauf achten, dass der Rabatt auch auf dem Kassenzettel vermerkt ist. Häufig werden die Ermäßigungen nämlich an der Kasse erst eingegeben, und da fallen sie manchmal unter den Tisch. Dass der Rabatt keiner war, stellt man erst zuhause fest. Brünner weist darauf hin, dass die Gewährleistungspflicht der Händler auch bei reduzierter Ware zwei Jahre beträgt. Die Verbraucherzentrale warnt außerdem, dass sich die versteckten Kosten bei Internetschnäppchen häufig hinter den Versandkosten verstecken.

Die Angebote spiegeln auch die Verzweiflung der Händler. Obwohl alle Umfragen behaupten, dass die Deutschen langsam wieder Lust zum Geldausgeben bekommen, stehen gerade die Berliner an den Adventssamstagen dicht gedrängt in den Geschäften. Gucken sich um. Können sich aber zu nichts durchringen. Ob das Weihnachtsgeschäft das Volumen vom letzten Jahr von 8,2 Milliarden Euro erreichen wird, weiß noch niemand. Das „Weihnachtsgeschäft“ errechnet sich dabei immer aus den Erlösen, die in den Monaten November und Dezember über dem durchschnittlichen Monatsumsatz des Jahres liegen.

Nun gibt es die Konjunktur einerseits. Und das persönliche Glück andererseits. Angenommen, wir wissen, dass die schönsten Sachen des Lebens ohnehin kein Geld kosten – und gerade deshalb unbezahlbar sind. Dann ist ein Weihnachtsfest mit kleinem Budget weder geistig verarmt noch emotional geplündert. Die größte Freude zu Weihnachten macht etwas, das unerwartet kommt. Eine Geste. Und das, was gemeinhin Geld kostet, lässt sich günstig organisieren. Das Schmücken, Schenken und Schmausen (siehe Artikel auf dieser Seite).

Ab die Post – portofrei

Das fängt mit der Weihnachtspost an. Wahrscheinlich haben Sie Ihre Weihnachtspost längst termingerecht per E-mail verschickt – ohne die Schlangen im Postamt und ohne die Portokosten. Die Auswahl an elektronischen Weihnachtskarten ist groß (zum Beispiel www.gruesse.de , ecards.lycos.de, www.123greetings.com ). Netter ist es natürlich, ein privates, eingescanntes Weihnachtsfoto als Karte zu verschicken.

Und die Geschenke? Rechnende Schenker beauftragen eine Preisagentur. Da dauert die Suche zwei Tage. Uwe Reinke von der Preisagentur Pfennigfuchser in Düsseldorf hat den Eindruck, dass viele Leute ihr Weihnachtsgeld vor allen Dingen in Möbeln anlegen. Aber auch die typischen Geschenke wie Digitalkameras und Videokameras laufen gut. Außerdem Heimtrainer, Kaffeemaschinen und Linienflüge „dahin, wo es warm ist“. Wider Erwarten kämen zu ihm „häufig nicht die Leute, die Not leiden – sondern die, die besonders genau wirtschaften.“ Nur so lässt es sich erklären, dass sie auch schon einmal einen Porsche vermittelt haben.

Für das kulturelle Programm sorgen an den Weihnachtstagen die Kirchen. Viele Kirchen und Gemeinden bieten kostenlose Vespern und Konzerte an. Gespielt werden von Händels „Messiah“ über Bachs „Weihnachtsoratorium“ auch folkloristische Stücke. Eine genaue Übersicht steht im Internet unter www.bb-evangelisch.de und www.hedwigschor-berlin.de . „Natürlich sind Spenden immer gern gesehen“, sagt Guido Lorz von der Sankt-Hedwigs-Kathedrale,“ aber wirklich Eintritt verlangen wir nur am 26. Dezember zum Weihnachtskonzert.“ Und vielleicht wird der eine oder andere feststellen, dass das Schönste an diesem Weihnachten etwas war, das nicht billig war. Weil es nämlich überhaupt nichts gekostet hat.

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