Wirtschaft : Weihnachten oder Mekka

Tewe Pannier

Wer Geld für ein Ticket hat, ein paar Tage Urlaub hat und Christ ist, der will Weihnachten nach Hause. Und zu Hause ist an Weihnachten nun mal da, wo man herkommt. Als auch meine Tasche für den Weihnachtsflug gepackt war, noch schnell der Rundruf: „Wir sehen uns im nächsten Jahr!“ In diesem Jahr hat es sich gefügt, dass man auch den moslemischen Freunden und Geschäftspartnern ein gesegnetes Fest wünschen kann: Das Opferfest, das Eid-ul-Adha, der höchste islamische Feiertag, arbeitet sich Jahr für Jahr rund zehn Tage im Kalender zurück. Dieses Jahr fällt es auf den 30. Dezember. Die Tage davor sind die Zeit des Hadj, der Pilgerreise nach Mekka in der saudiarabischen Wüste. Jeder gute Moslem muss diese Reise einmal im Leben unternehmen, so er gesund ist. Um ihren Marktwert im Himmel jedoch zu steigern, fahren viele Golf-Araber häufiger. Als ich Nasir, meinen pakistanischen Reiseagenten zwei Tage vor Weihnachten anrufe, ist er ganz kurz angebunden: „Ja, fröhliches Fest und alles Gute! Aber sorry, ich bin im Stress – alle wollen nach Mekka, alle erste Klasse.“ Und da feiern die Pilger dann lauter Helden, die wir aus unseren Büchern kennen: Die Ankunft Adams auf dem Berg Arafat, die Steinigung des Teufels, dem Abraham mit Gottes Hilfe widerstanden hat. „Schön, dass deine und unsere Feiertage diesmal so nah beieinander liegen“, sagt mir Mohammed, ein Geschäftspartner aus Amman. „Dann können wir zum Eid-ul-Adha auch der Geburt unseres Propheten Jesus gedenken.“ Heiligabend stehe ich eingemummelt in der Potsdamer Erlöserkirche, Bach im Ohr, zwei Kinder auf dem Schoß, Gesangbuch in der klammen Faust. Ich muss an den Flughafen in Dubai denken, in diesen Tagen ein Drehkreuz nach Mekka, Massenabfertigung zum Hadj. An die Charter-Pilger aus dem Sudan, Nigeria, Oman, Pakistan, Indien, dem Jemen in ihren Trachten und weißen Gewändern der Hadjiis. Das Schild mit einem dicken Pfeil, der geschwungen nach links zeigte: „Hadj-Flights“ – zu den Flügen nach Mekka. Ein Pfeil nach rechts, zum Flug nach Hause. Am Morgen in Tegel war es dann bitterkalt. „Allet jute zum Fest och“, wünschte der Taxifahrer sehr vernehmlich. „Frohe Weihnachten!“

ein Geschäftsmann aus Berlin, erzählt von Arabien

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