Weihnachtsbäume : Teure Tannen

28 Millionen Weihnachtsbäume kaufen die Deutschen zum Fest – doch dieses Jahr steigen die Preise für Nordmanntannen.

Jahel Mielke
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Die meisten der hierzulande verkauften Exemplare stammen aus Harz, Sauerland oder Schwarzwald. -Foto: dpa

Berlin - Sie ist weich und saftig grün. Besonders gut stehen ihr Ketten und Kugeln. Und zu ihren Füßen versammelt sich an Weihnachten die ganze Familie: Die Nordmanntanne ist der Lieblingsweihnachtsbaum der Deutschen. Und schon jetzt ziehen viele Familien los, um einen schönes Exemplar für die Feiertage zu ergattern. Für den Christbaum müssen sie in diesem Jahr aber rund zehn Prozent mehr zahlen als 2008. Der laufende Meter der Nordmanntanne, in Premiumqualität, kostet nach Angaben des Bundesverbands der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger (BWS) in diesem Jahr zwischen 17 und 21 Euro. Das sind rund zwei Euro mehr als 2008. Für Qualitätsmängel gibt es bei vielen Produzenten aber Rabatte von bis zu 30 Prozent. Der Hauptverband der deutschen Holzindustrie (HDH) geht ebenfalls von einer solchen Entwicklung aus.

Die Branche hofft, 2009 den Umsatz vom Vorjahr zu erreichen: Mit dem Verkauft hier geernteter und importierter Bäume sowie mit Schnittgrün wurden 2008 nach Angaben des HDH Erlöse von 670 Millionen Euro erzielt. Damit ist das Geschäft von der Wirtschaftskrise offenbar kaum berührt: „Auf den Weihnachtsbaum verzichtet man nicht“, sagt der Vorsitzende des BSW, Bernd Oelkers. „Nichts bringt mehr Weihnachtsstimmung als der Baum.“

28 Millionen Christbäume wurden 2008 in Deutschland gekauft. Rund zwei Drittel der Bäume stammen aus Deutschland. 30 große und rund 1700 kleinere Produzenten pflanzen hierzulande Christbäume, die meisten betreiben Plantagen. Die wichtigsten Anbaugebiete sind der Harz, der Schwarzwald und das Sauerland. Das Klima in Berlin und Brandenburg eignet sich allerdings weniger gut für den Anbau. „Die Nordmanntanne kann keine späten Fröste vertragen“, sagt Oelkers. In der Vorweihnachtszeit stellen die Betriebe nach Schätzungen des BWS rund 50 000 Erntehelfer ein. Sie schlagen die Bäume, verpacken und verladen sie. Rund 30 Prozent werden importiert, hauptsächlich aus Dänemark. „Wir rechnen damit, in vier bis fünf Jahren die gesamte Nachfrage aus Deutschland decken zu können“, hofft BWS-Chef Oelkers.

Am liebsten kaufen die Deutschen die Nordmanntanne – ihr Anteil liegt bei 80 Prozent. Rund zehn Jahre muss sie wachsen, um reif für den Heiligabend im Wohnzimmer zu sein. Verkauft werden die Nordmanntannen, Blaufichten und Edeltannen hauptsächlich über Baumärkte und Gartencenter. „Nur ein Drittel läuft über Sonderverkaufsstellen oder über die Produzenten“, sagt HDH-Sprecherin Ursula Geismann. Auf den Plantagen oder bei den Forstverkäufern können Kunden ihre Bäume selbst schlagen. „Das wird immer mehr zum Event, zu dem ganze Familien mitkommen“, berichtet Oelkers. Der selbst geschlagene Baum ist nach Angaben des HDH aber teurer als der aus dem Baumarkt, weil die Handelsketten große Kontingente günstiger aufkaufen können. Dafür gibt es auf der Plantage gelegentlich einen Glühwein gratis zum Baum dazu.

Genau wie das Fleisch oder Gemüse aus dem Supermarkt gibt es auch den Weihnachtsbaum in der Öko-Version. Die Bäume tragen ein Siegel, zum Beispiel vom Naturland-Verband. Dessen Vorschriften zufolge dürfen bei der Produktion keine Pestizide oder Herbizide eingesetzt werden, und die Bäume müssen mit größeren Abständen zum Nachbarbaum gepflanzt werden. „Der Anteil an Öko-Weihnachtsbäumen ist aber noch klein in Deutschland“, sagt Martin Reinold vom Naturland-Verband. Der HDH schätzt ihn auf rund drei Prozent. „Die Nachfrage steigt aber, besonders in den Großstädten“, sagt Geismann. In der Hauptstadt kann man Öko-Bäume zum Beispiel beim Forstamt Tegel oder im Grunewald kaufen.

Das Gegenteil vom Öko-Baum ist dann wohl der Baum aus Plastik. Das Unternehmen Steinigke verkauft unter der Marke Europalms Weihnachtsbäume aus Textilien und Plastik und ist nach eigenen Angaben einer der größten Anbieter auf dem Markt. Die Bäume werden in China hergestellt; pro Jahr verkauft das Unternehmen in Deutschland rund 2500 Stück. In diesem Jahr waren es sogar fast 4000. „Die Umsätze haben sich in den letzten fünf Jahren stetig gesteigert“, sagt Unternehmenssprecher Michael Dill.

Steinigke wirbt mit den Vorteilen der Plastikbäume: Sie sollen sich natürlich anfühlen, haltbar und wetterfest sein. Das Hauptargument der Kunden sei aber eher, dass für diese Weihnachtsdekoration kein Baum abgeschlagen werden müsse, befindet Dill. Steinigke beliefert in erster Linie Einkaufspassagen und Hotels sowie Diskotheken und die Gastronomie. Besonders gefragt seien derzeit bunte Christbäume in pink, blau oder rot. Auch der Internethändler Ebay findet, dass die künstlichen Bäume im Trend liegen, und zwar besonders pinkfarbene und XXL-Versionen. Im vergangenen Monat hat das Auktionshaus nach eigenen Angaben rund 5000 künstliche Weihnachtsbäume verkauft.

Trotzdem kauft nur ein kleiner Teil der Deutschen die Plastikprodukte. Für die echten Christbäume sind sie keine Konkurrenz: „Es gibt eher einen Trend zu Natürlichkeit“, sagt HDH-Sprecherin Geismann. Damit der echte Baum lange frisch bleibt, hat sie noch einen Tipp: „Ein bisschen Zucker im Wasser hilft.“

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