Weinmarktreform : Viel Wasser in EU-Weinplänen für deutsche Winzer

Die Pläne der EU-Kommission zur Reform des europäischen Weinmarktes stoßen auf Widerspruch in Deutschland. Mit einem Positionspapier auf dem "Weingipfel" in Mainz wollen sich SPD-Chef Beck und Landwirtschaftsminister Seehofer wehren.

Weinmarktreform
Den deutschen Winzern schmeckt die geplante Reform des EU-Weinmarktes nicht. -Foto: dpa

MainzIhre Kritik an der geplanten EU-Weinmarktreform haben Vertreter europäischer Weinbauländer und -regionen in einer gemeinsamen Resolution bekräftigt. In dem Papier, das auf einem "Weingipfel" in Mainz verabschiedet wurde, wird die EU-Kommission aufgefordert, ihren Entwurf für eine Weinmarktreform zu überarbeiten, weil er in dieser Form nicht akzeptiert werden könne. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU), der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck und sein Weinbauminister Hendrik Hering (beide SPD) sprachen sich gegen den EU-Vorschlag aus.

"Das Neue muss besser sein als das Alte. Erst dann haben wir es mit einer Reform zu tun, die diesen Namen verdient", sagte Seehofer nach Mitteilung des rheinland-pfälzischen Weinbauministeriums. Er werde deshalb keinen Vorschlägen zustimmen, die die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Weinwirtschaft verschlechterten.

Zuvor hatten Teilnehmer des "Weingipfels" ihr Misstrauen gegenüber den EU-Plänen betont. "Wenn diese Vorstellungen der Weinmarktordnung eins zu eins umgesetzt werden, wird dies gravierende Folgen für den Weinbau haben", sagte Minister Hering vor 130 Teilnehmern aus 7 EU-Ländern. Wie andere Redner kritisierte er das geplante Verbot der Zuckeranreicherung und den beabsichtigten Grenzwert für die Steigerung des Alkoholgehalts. Dies gefährde allein in Rheinland-Pfalz die Existenz von 5000 Betrieben mit 10.000 Arbeitsplätzen. Vertreter der EU-Kommission waren bei der Konferenz nicht anwesend. Die Kommission will mit ihrem Konzept den Weinmarkt neu ordnen, um Überschüsse abzubauen und die Branche wettbewerbsfähiger zu machen.

EU-Abgeordnete seien ignoriert worden

Beck warf der EU-Kommission vor, sie habe in der Debatte Stellungnahmen des Europäischen Parlamentes "schlicht ignoriert". "Das ist eine Brüskierung der Abgeordneten, die viel Arbeit investiert haben", sagte er nach Angaben des rheinland-pfälzischen Weinbauministeriums. "Die europäischen Weinbauregionen zeigen sich über dieses Vorgehen enttäuscht. So stellen wir uns eine partnerschaftliche Zusammenarbeit nicht vor." Auch der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber, beklagte, die Kommission gehe auf Änderungsvorschläge nicht ein. "Die Kommission benimmt sich derzeit selbstherrlich, arrogant, undemokratisch", sagte Weber.

Nach Angaben des Mainzer Weinbauministeriums will die EU-Kommission, dass die Vorschläge noch 2007 verabschiedet werden und zum August 2008 in Kraft treten. Fachleute bezweifeln, dass diese Termine eingehalten werden. Am Freitag soll zudem der Bundesrat einen Antrag mehrerer deutscher Weinbauländer gegen die Reform verabschieden.

Deutschen Winzern soll der Zucker verboten werden

Die Pläne der EU-Kommission sehen unter anderem vor, dass verboten wird, den Alkoholgehalt des Weines mit dem Zusatz von Zucker zu erhöhen. Besonders betroffen wären davon die deutschen Winzer, die bislang wegen des oft schlechteren Wetters den Alkoholgehalt mit der Zugabe von Rübenzucker um bis zu 3,5 Prozent anheben dürfen. Die bisher gezahlten Subventionen für Traubensaftkonzentrat, das weiter zur Anhebung des Alkoholgehalts verwendet werden darf, sollen gestrichen werden. Ferner sollen 200.000 von 3,4 Millionen Hektar Weinbergen freiwillig gerodet werden.

Hering und Weinbaupräsident Weber warfen der EU-Kommission ein widersprüchliches Verhalten vor. "Wer Liberalität will, kann keine neuen Verbote aussprechen", sagte Weber. Der baden-württembergische Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk (CDU), sagte, die geplanten Restriktionen in der Weinbereitung seien dermaßen groß, "dass wir eklatante Nachteile auf dem Weltmarkt erfahren". (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar