Wirtschaft : Weit daneben

Das Börsenjahr 2011 hat den Anlegern große Verluste beschert. 2012 könnte es wieder besser werden, sagen Experten voraus.

von
Abwärts. An der Börse steht der Bär für sinkende Kurse. 2011 verlor der Dax 14,7 Prozent. Foto: picture-alliance/dpa
Abwärts. An der Börse steht der Bär für sinkende Kurse. 2011 verlor der Dax 14,7 Prozent. Foto: picture-alliance/dpaFoto: picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Nicht nur Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank, lag daneben. Satte 7300 Punkte hatte der Ökonom dem Deutschen Aktienindex Dax vor zwölf Monaten für das Jahresende 2011 zugetraut. Schön wär’s gewesen. Tatsächlich sind es nicht einmal 6000 Punkte. Mit 5898 Zählern und damit gut 1000 weniger als Ende 2010 beschließt der Dax das Börsenjahr. Im Vergleich zum Nikkei ist das Minus von 14,7 Prozent allerdings moderat. Der japanische Aktienindex verlor 19 Prozent und beendete das Handelsjahr auf dem niedrigsten Jahresschlussstand seit 1982.

Viele Experten haben beim Ausblick auf das Börsenjahr 2011 danebengelegen. Kater gehörte nicht einmal zu den größten Optimisten, denn im Schnitt hatten die Experten dem Dax sogar fast 7600 Punkte zugetraut. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, prognostizierte gar 9000 Punkte und damit ein Plus von mehr als 30 Prozent.

Doch nicht einmal eine Handvoll der 30 im Dax notierten Aktien kann das Jahr 2011 positiv abschließen: Spitzenreiter sind Merck-Papiere mit einem Zuwachs von 27 Prozent. Den größten Verlust verbuchen Aktien der Commerzbank mit minus 71 Prozent. Zeitweilig drohte der Kurs auf weniger als einen Euro zu sinken. Größter Gewinner unter den 100 wichtigsten deutschen Aktien ist das Papier des Karbon-Spezialisten SGL Carbon, das fast 40 Prozent zulegte. Der Einstieg von BMW macht sich bezahlt. Größter Verlierer ist mit einem Minus von fast 80 Prozent die Solarfirma Q-Cells.

Und was wird 2012? Die ungelöste Schuldenkrise in Euro-Land belastet weiterhin die Finanzmärkte. Wie groß die Verunsicherung ist, zeigen die Einlagen der Banken bei der Europäischen Zentralbank. Mit fast 440 Milliarden Euro ist die „Angstkasse“ der Notenbank gefüllt, obwohl es dafür nur einen Minizins von 0,25 Prozent gibt. Trotzdem ist die Mehrzahl der Börsenexperten positiv gestimmt, denn die Auftragsbücher der deutschen Unternehmen sind immer noch gut gefüllt. Es gibt Maschinenbaufirmen die bis 2015 ausgebucht sind. Auch die Konjunkturprognosen weisen nicht auf einen dramatischen Einbruch hin. Für die USA und die Schwellenländer sind die Aussichten nicht einmal so schlecht, was wiederum die Exportindustrie in Deutschland stützt. Gleichzeitig gelten deutsche Aktien derzeit als günstig bewertet.

Die Mehrheit der unabhängigen Vermögensverwalter sieht den Dax in einem Jahr daher bei mehr als 7000 Punkten. 15 Prozent der Experten haben sogar 8000 Punkte im Auge und damit den Rekordstand des Dax aus dem Jahr 2007. Die Experten der Banken erwarten im Schnitt einen Anstieg der Aktienkurse im neuen Jahr um immerhin rund 13 Prozent. Allerdings ist die Schwankungsbreite beträchtlich. Morgan Stanley etwa prognostiziert einen weiteren Rückgang auf 5400 Punkte bis Ende 2012, die DZ Bank befürchtet im schlimmsten Fall sogar den Sturz auf „unter 4000 Punkte“. Dagegen sieht die HSH Nordbank den Dax auf Jahressicht bei 7400 Punkten. Sogar 30 Prozent höhere Kurse erwartet die Postbank. Ihr Experte heißt schließlich auch Heinz-Gerd Sonnenschein.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben