Weiterbildung : Ins Gespräch eintauchen

Für Führungskräfte und Verkäufer ist Kommunikationstraining ebenso wichtig wie für Menschen in sozialen Berufen. Es gibt unzählige unterschiedliche Fortbildungsangebote, darunter auch ungewöhnliche Ansätze. Wie man den richtigen Kurs findet.

Michaela Drenovakovic
Wie ein Fisch im Wasser. Wie man sich auf Mimik und Reaktionen des Gegenübers konzentriert, lehrt die Buchutorin Gabriele Zienterra. Sie nennt es „Flying-Fish-Methode“: Im Gespräch soll man sich den fliegenden Fisch zum Vorbild nehmen, der aus der Luft kommend tief ins Wasser taucht und nicht an der Oberfläche bleibt.
Wie ein Fisch im Wasser. Wie man sich auf Mimik und Reaktionen des Gegenübers konzentriert, lehrt die Buchutorin Gabriele...Foto: Marcel Kusch/ picture alliance / dpa

Eigentlich scheint es doch so einfach: Wir Menschen sprechen miteinander und wenn dies in der gleichen Sprache geschieht, dann muss man sich doch auch verstehen. Und schon der Kommunikationswissenschaftler und Soziologe Paul Watzlawick stellte fest: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Beruflich gehört die richtige Kommunikationsstrategie immerhin zu den wichtigen „Soft skills“ und ist eine soziale Kompetenz, an der wir gezielt arbeiten können. Die Angebote zur Fortbildung sind vielfältig und stechen sich gegenseitig mit ungewöhnlichen Ansätzen, die neugierig machen, aus.

Was etwa, verbirgt sich hinter der Flying-Fish-Methode? Ihre Erfinderin, Gabriele Zienterra, Inhaberin des Instituts für Rhetorik und Kommunikation in Bornheim bei Bonn, erklärt: „Ein fliegender Fisch springt aus dem Wasser heraus, um dann erneut in die Tiefe einzutauchen. Übertragen auf eine kommunikative Situation meint dies, wie intensiv wir in ein Gespräch mit unserem Gegenüber eintauchen.“ In ihrem Buch „Stop Cheap Speak – Wie wir wertvoller kommunizieren“ benennt sie Kommunikationsstörer und bietet Übungen, um das eigene Verhalten zu überprüfen und zu trainieren, so dass wir - ähnlich wie der fliegende Fisch - wieder tiefer unter die Oberfläche unserer Gespräche dringen können.

Dazu gehört etwa, den Gegenüber genau zu beobachten – und sich von Außenreizen, die das Gespräch unterbrechen oder – wie sie es nennte verflachen können, nicht ablenken zu lassen. „Echte“ Gespräche führen, nennt sie das. „Das gelernte Muster des Unterbrechens wird für uns immer selbstverständlicher. Doch um uns wirklich auf unser Gegenüber einzulassen, benötigen wir die Aufnahmebereitschaft, um zuzuhören. Neben der eigenen Haltung gehört dazu auch ein entspannte Atmosphäre“, sagt Zienterra.

Sie lenkt zudem den Blick auf die nicht-sprachlichen Reaktionen des Gegenübers. „Wir können an der Mimik bereits prüfen, ob das Gesagte richtig ankommt oder ob wir die Frage neu formulieren sollten“, erklärt Zienterra, „Kommunikation ist eine komplexe Angelegenheit – und manchmal müssen wir für alle Faktoren sensibler werden.“

Die Flying-Fish-Methode

Die Flying-Fish-Methode entstand aus ihrer langjährigen Erfahrung als Trainerin und Coach: Die von ihr geleiteten Management-Seminare drehen sich rund um die Themen wirkungsvolle Präsenz und Überzeugungskunst. Jetzt fasst sie die von ihr entwickelte Methodik für das Buch gezielt zusammen. „Natürlich ist das Buch nicht nur für den beruflichen Gebrauch geeignet, auch für private Gespräche können die Leser die Thesen nutzen“, so die Autorin. Bei den Teilnehmern ihrer Seminare am Institut für Rhetorik und Kommunikation handelt es sich hauptsächlich um Führungskräfte aus Industrie, Wissenschaft und Politik - ein Heimspiel für Gabriele Zienterra, war sie doch viele Jahre selbst als Führungskraft im In- und Ausland tätig. Durch die Teilnahme an einem Kommunikationstraining lernte sie nicht nur ihren Ehemann kennen, der das Training leitete, sie merkte auch, dass in ihr der Wunsch aufkam, selbst in diesem Bereich zu arbeiten. Gabriele Zienterra sieht den Nutzen eines Kommunikationstrainings jedoch nicht nur für Führungskräfte und Manager. „Wir alle interagieren in den unterschiedlichsten Situationen mit anderen Menschen und die Defizite, die wir beobachten, sind oft ähnlich.“ Probleme wie: „Ich werde nicht gehört“ oder: „Ich möchte souveräner wirken“ kennen nicht nur Top-Executives aus der Wirtschaft, sondern auch Fachkräfte aus anderen beruflichen Bereichen.

Gestresst und trotzdem nett

Einen Titel, der ähnlich wie der „Flying Fish“ neugierig macht, liefert ein Seminar der AGUS Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe: „Und wenn Sie nicht gestorben sind... - Kommunikation mit Hilfe von Märchen in der Pflege“ heißt eines der Angebote. Können also auch Märchen uns das kommunikative Rüstzeug im Beruf liefern? „Diese spezielle Fortbildung richtet sich an Personen, die in der Pflege von Menschen mit Demenz tätig sind“, erklärt der Leiter der AGUS, Kajus Riese. Märchen schafften einen Zugang zu Erinnerungen aus der Kindheit - und somit gleichzeitig einen Zugang zu den Menschen. „Kommunikationstraining in der Pflege ist ein wichtiges Standbein in Sachen Fortbildung“, so Riese weiter, „denn gerade hier haben wir es mit einem beruflichen Umfeld zu tun, das oft mit Kommunikationsstörungen konfrontiert ist.“ Das können Menschen mit Demenz, Menschen mit psychischen Erkrankungen, aber auch Menschen mit Behinderung sein, für die die richtige Ansprache erlernt werden kann. Riese selbst war beruflich in der Krankenpflege tätig, bevor er Pflegepädagogik studierte und schließlich die Schulleitung der AGUS übernahm. „Ein wichtiger Aspekt im Pflegeberuf kann ebenfalls sein, wie man trotz hohen Stresslevels im Arbeitsalltag angemessen kommuniziert“, sagt Riese. So gebe es ein Seminar mit dem Namen: „Gestresst und trotzdem nett“, denn neben den Klienten erfordere auch der Umgang mit Angehörigen und Kollegen Fingerspitzengefühl – trotz Stress.

Was kann ich verbessern?

Sein allgemeiner Tipp, um für sich das richtige Kommunikationsseminar zu finden: „Gleichen Sie Bedarf und Angebot ab. Fragen Sie sich: Wo habe ich Fortbildungsbedarf in meinem beruflichen Alltag? Was kann ich verbessern? In einem nächsten Schritt machen Sie sich dann gezielt auf die Suche nach Seminaren zu diesen Themen.“ Die Kosten im Beispielbereich der Pflege variierten sehr stark, so Riese. Von 60 Eurobis zu 300 Euro pro Tag reiche die Kostenspanne. Vor der Buchung sollte in jedem Fall geprüft werden, an wen sich das Seminar richtet: „Es gibt Veranstaltungen für Hilfskräfte, genauso wie für Fach- und Führungskräfte", so der 41-Jährige. Gerade in den Pflegeberufen wird seines Erachtens Kommunikationstraining oft nicht ernst genug genommen. Ein Fehler: „Wir kommunizieren den ganzen Tag in der Pflege – ob mit den Pflegebedürftigen, mit Angehörigen oder anderen Berufsgruppen. Das erfordert ein hohes Maß an Kompetenz“, so Riese. „Zudem tauschen wir uns nicht nur mit Worten aus. Auch unsere Gestik und Mimik gibt uns Möglichkeiten, den Zugang etwa zu kommunikationsgestörten Menschen aufzubauen.“

Nicht allein der Titel des Seminars sollte entscheiden

Wer bei der Online-Suche nach dem geeigneten Kommunikationstraining kurz davor ist, nur noch Bahnhof zu verstehen, dem hilft der Service der Weiterbildungsdatenbank Berlin. Hier kann gezielt nach dem richtigen beruflichen Umfeld, den zu erreichenden Zielen und vielen weiteren Parametern gesucht werden. „Es ist wichtig, dass man sich nicht alleine durch den Titel für die Veranstaltung entscheidet, sondern die Kursbeschreibung genau durchliest“, rät Horst Junghans, Projektleiter der Weiterbildungsdatenbank Berlin, „nur so weiß ich, was mich erwartet.“

Welche Kompetenzen werden geschult? An wen richtet sich das Angebot und welcher Dozent erwartet mich? Dabei sollte auch auf gute Referenzen geachtet werden, so Junghans. „Dann kann man auch am besten entscheiden, ob man für ein Training eventuell sogar einen weiteren Anfahrtsweg auf sich nehmen möchte.“ Viele Suchende machten den Fehler sich auf lokale Veranstaltungen zu beschränken. „Ein entscheidendes Kriterium sollten viele Praxisübungen sein“, so Junghans, „nur so wird der Stoff in den Seminare wirklich weitergegeben und vertieft.“

Die praktischen Übungen umfassen dabei beispielsweise den Stellenwert von Körpersprache oder geben Mittel an die Hand, wie man Blockaden beim Gegenüber aufbricht. „Wie komme ich ins Gespräch und halte das Interesse aufrecht?“ sind etwa im Bereich des Verkaufs und im Marketingsektor beliebte Anwendungsbeispiele, andere Schwerpunkte gibt es im Gesundheitsbereich oder im Moderationstraining.

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