Wirtschaft : WEITERBILDUNGSFIRMEN

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Den Tag, an dem das Übel über sie hereinbrach, werden die Chefs der großen Weiterbildungsunternehmen so schnell nicht vergessen. „Es war der 1. Januar 2003. Seitdem ist alles anders“, sagt Rudolf Helfrich. Er ist Vorsitzender des Bundesverbandes beruflicher Bildung – und sauer auf die Arbeitsämter. Denn seit Jahresbeginn bezahlen die Behörden nur noch dann Weiterbildungskurse für Arbeitslose, wenn die Schulungen wirklich etwas bringen. Sieben von zehn Teilnehmern müssen ein halbes Jahr nach Ende des Kurses einen regulären Job gefunden haben, lautet die Vorgabe – sonst wird nicht gezahlt.

Das hat den Markt gründlich durcheinander gewirbelt. Die Weiterbildungsträger, eine Branche mit schätzungsweise bis zu 30000 Unternehmen, steckt tief in der Krise. Grund ist nicht nur die wirtschaftliche Flaute, wegen der viele Unternehmen den Etat für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zusammengestrichen haben. Vor allem der Sparkurs, den Florian Gerster, Vorstandsvorsitzender der Bundesanstalt für Arbeit (BA), seiner Behörde seit dem Amtsantritt verordnet hat, sorgt für schlechte Stimmung. „Der Markt lebt von der Förderung durch die Bundesanstalt“, erklärt Heinz Streicher, Bildungsexperte beim Beratungsunternehmen Lünendonk. Etwa ein Drittel des Branchenumsatzes kommt aus den Töpfen der BA. Doch gegenüber 2002 schickt sie ein Drittel weniger Arbeitslose in die Weiterbildungskurse. Die Sparpolitik trifft die Bildungsunternehmen hart. „Von den 100000 fest angestellten Beschäftigten werden in diesem Jahr rund 20000 ihren Job verlieren“, klagt Lobbyist Helfrich. „Herr Gerster“, resümiert er bitter, „ist offenbar kein Freund unserer Arbeit“.

Dabei legt er sich mit einflussreichen Kräften an. In dem Teil der WeiterbildungsBranche, der fast ausschließlich am Tropf der Arbeitsämter hängt, haben vor allem Organisationen das Sagen, die den Gewerkschaften oder den Arbeitgeberverbänden nahe stehen. Der bundesweit größte Anbieter von Kursen und Lehrgängen ist die Deutsche Angestellten-Akademie – sie gehört zur Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und setzt pro Jahr mehr als 370 Millionen Euro um. Kurz danach folgen das Berufsfortbildungswerk des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB) und das Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft, das den Unternehmerverbänden gehört.

Ob die Maßnahmen der Bildungsträger erfolgreich und ihr Geld wert waren, hat in der Vergangenheit kaum jemanden interessiert. Die Aufträge waren sicher – weil die Tarifpartner auch in den Spitzen der Bundesanstalt für Arbeit vertreten waren und dafür gesorgt haben, dass das Geld an die richtige Stelle geflossen ist. Wettbewerb, so urteilte der Bundesrechnungshof schon vor zwei Jahren, ist in der Branche weit gehend ausgeschaltet. brö

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