Wirtschaft : Weitere 80 000 Bauleute arbeitslos

Kein Aufschwung im Osten / Bauindustrie kritisiert öffentliche ZahlungsmoralBONN (dpa/val).Die Bauwirtschaft ist auch 1997 in einer Krise und muß voraussichtlich bundesweit weitere 80 000 Arbeitsplätze abbauen - darunter allein 38 000 im Osten.Während es im Westen allerdings nach Einschätzung der Industrie für 1998 einen Hoffnungschimmer auf Besserung gibt, wird sich der Abschwung im Osten voraussichtlich weiter fortsetzen.Dies gilt auch für das Berliner Baugewerbe. Als Gründe nannte der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Otmar Franz, auf der Jahrespressekonferenz am Montag in Bonn den weiteren Rückgang der Bauinvestitionen von 1,4 Prozent im Westen und 3,2 Prozent im Osten sowie anhaltende Konkurrenz ausländischer Niedriglohnunternehmen.Die Zahl der Konkurse werde mit 8500 einen neuen Höchststand erreichen.Bereits 1996 waren rund 100 000 Bauarbeiter entlassen worden.6000 Betriebe mußten vor den Konkursrichter treten oder Vergleich anmelden.Die zahlreichen Pleiten in der Bauindustrie sind laut Franz auch darauf zurückzuführen, daß der Staat seine Rechnungen nicht mehr bezahle. Nach Ansicht von Franz wird "das Ende des konjunkturellen Abschwungs erst im Verlauf des Jahres 1998 erreicht sein".Dann rechnet der Verband im Westen mit einer Stabilisierung der Bautätigkeit "auf niedrigstem Niveau".In den neuen Ländern werde sich der Abschwung aber auch 1998 fortsetzen, da dort die Investitionen um real 3,0 Prozent zurückgehen würden. Der Präsident hofft, daß die von Finanzminister Theo Waigel verkündete Haushaltssperre nicht zu einem weiteren Rückgang der Bauinvestitionen führen werde.Alles andere wäre "katastrophal". Franz erwartet einen baldigen Tarifabschluß für die ostdeutsche Baubranche.Hauptziel sei, über Öffnungsklauseln im Tarifvertrag Vereinbarungen zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern zu ermöglichen, nach dem Vorbild der Chemieindustrie.Die nächste Verhandlungen sollen am 9.Juli geführt werden. Nach Darstellung von Franz zahlt "ein Großteil der Betriebe" in Ostdeutschland bereits unter Tarif.Das Verständnis bei den Betriebsräten sei derzeit viel weiter als bei den Gewerkschaften entwickelt.Aber auch dort wachse die Einsicht.Der Tarifvertrag, der in diesem Jahr eine weitgehende Angleichung an das Westniveau gebracht hätte, war im vergangenen Jahr von den Arbeitgebern gekündigt worden.Beim jüngsten Tarifabschluß in der Baubranche waren die neuen Länder ausgeklammert worden. Der Verband, in dem 4500 Betriebe der Bauindustrie und des Mittelstandes organisiert sind, setzte sich weiter für eine Verlängerung der Mindestlohnregelungen auf den deutschen Baustellen über den August hinaus ein.Aufgrund des Entsendegesetzes und Vereinbarungen der Tarifpartner müssen im Westen 17,00 DM und im Osten 15,64 DM in der Stunde für jeden Arbeitnehmer gezahlt werden.Laut Franz hat der Mindestlohn den Personalabbau in den vergangenen acht Monaten zumindest gebremst. Auch die Großbaustelle Berlin ist von der wirtschaftlichen Lage betroffen.Nach Angaben des Bauindustrieverbands Berlin Brandenburg hat die Baukonkjunktur auch im ersten Quartal 1997 einen deutlichen Einbruch erlitten.So sanken die Auftragseingänge für Betriebe mit über 20 Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahresquartal in Berlin um fast ein Drittel.Die Berliner Bautätigkeit sinke weiterhin: Trotz der niedrigen Ausgangsbasis habe sie um 2,1 Prozent abgenommen.Diese Schläge treffen nach Angaben der Berliner Handwerkskammer das Bauhandwerk besonders hart, das sowieso "am Boden liegt".

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