Wirtschaft : Weitere Alternative zur Telekom

Colt eröffnet sein Berliner Stadtnetz für Firmenkunden / Preisvorteil von 20 Prozent BERLIN (jojo).Im Beisein von Wirtschaftssenator Elmar Pieroth hat Colt Telecom am Donnerstag sein Berliner Telefonnetz offiziell in Betrieb genommen.Geschäftskunden bietet sich damit eine weitere Alternative zur Telekom.Zu den ersten Berliner Kunden gehören Bankgesellschaft, Dresdner Bank und Gasag, die Werbeagentur Scholz & Friends sowie die Internet-Provider Networx und Combox.Colt hat bislang 25 Kilometer Glasfaserkabel in Berlin verlegt.Dabei hat das Unternehmen den genau entgegengesetzten Ansatz zahlreicher Wettbewerber: Die britische Aktiengesellschaft verlegt Leitungen in Städten hin zu den Endkunden.Die meisten anderen privaten Telefongesellschaften haben dagegen eigene Fernstrecken aufgebaut, sind aber auf den letzten Metern zum Telefon vom Ex-Monopolisten Telekom abhängig. Der Berliner Colt-Niederlassungsleiter Bernd Huber betonte, daß Colt der Aufbau des Netzes in nur sechs Monaten gelungen sei.20 Berliner Firmen- und Verwaltungsgebäude seien bislang angeschlossen, bis Ende 1998 sollen 100 Anschlüsse hinzukommen."Die Kunden werden bei Colt schneller, besser und kostengünstiger bedient", sagte Horst Enzelmüller, Vorsitzender der Colt-Geschäftsführung in Deutschland.Neben Berlin betreibt die Firma Netze in Frankfurt (Main), Hamburg, München und anderen europäischen Metropolen.Demnächst soll auch Düsseldorf verkabelt werden.Colt verspricht Preisvorteile von 20 Prozent bei nationalen Ferngesprächen und bis zu 65 Prozent bei internationalen Verbindungen. "Die vielen Kleinbetriebe brauchen sie als Partner", sagte Wirtschaftssenator Pieroth zur Eröffnung in der Berlin-Zentrale von Colt an der Uhlandstraße.Der frühere Postminister Christian Schwarz-Schilling erinnerte an die lange Zeit, die es gedauert habe, um den ordnungspolitischen Rahmen für die Telekommunikations-Liberalisierung durchzusetzen.Zuletzt sei die Regulierungsbehörde viel zu spät geschaffen worden.Deren Mitarbeiter hätten viel zu wenig Zeit gehabt, um sich einzuarbeiten.Jetzt müsse die Behörde die Chancen der neuen Anbieter im Wettbewerb erhalten.Diese Aufgabe werde sich auch nicht so schnell - wie geplant - auf das Kartellamt übertragen lassen.Die Telekom hingegen, so Schwarz-Schilling, müsse das Verhalten im Konkurrenzkampf erst noch lernen.Jüngste Äußerungen des Ex-Monopolisten seien sehr unglücklich gewesen. Colt beschäftigt derzeit 700 Mitarbeiter in Großbritannien, Frankreich, Spanien, der Schweiz und Deutschland.Vor vier Jahren nahm das Unternehmen - eine Gründung der amerikanischen Investmentfirma Fidelity - sein erstes Netz in der Londoner City in Betrieb.Mit zwölf bis 15 Stadtnetzten will Colt künftig auf über 60 Prozent des europäischen Telekommunikationsmarktes Zugriff haben.Colt ist an den Börsen in New York und London notiert.

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