Wirtschaft : Weitere Ermittlungen, neue Großaufträge

Auch in Liechtenstein gibt es ein Verfahren. In Argentinien werden zwei Kraftwerke gebaut

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München/Vaduz/Berlin - Die Ermittlungen um schwarze Kassen bei Siemens ziehen immer weitere Kreise. So wurde jetzt bekannt, dass auch die liechtensteinische Staatsanwaltschaft bereits seit zwei Jahren gegen Siemens-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Untreue, Geldwäsche und Bestechung ermittelt. Seit November 2004 wurden Kontounterlagen beschlagnahmt und zwei ehemalige Konzernmitarbeiter sowie zwei weitere Personen vernommen, wie Staatsanwalt Robert Wallner in Vaduz (Liechtenstein) der Nachrichtenagentur Reuters sagte. „Die Siemens AG hat gegenüber den liechtensteinischen Strafverfolgungsbehörden erklärt, nicht geschädigt zu sein. Das habe man nach einer internen Untersuchung festgestellt.“

Liechtenstein habe das Strafverfahren dennoch nicht eingestellt, sondern überprüfe, ob Siemens’ Behauptung richtig sei, teilte Wallner mit. „Beim Vorwurf der Bestechung geht es um Zahlungen im Zusammenhang mit Geschäften der Siemens AG in Afrika und Asien.“ Das Verfahren sei nach dem Hinweis einer Bank in dem Fürstentum eingeleitet worden. „Nach heutigem Erkenntnisstand wurden über Konten in Liechtenstein rund 7,6 Millionen Euro transferiert.“ Siemens wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben und der Anfrage intern nachgehen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat im Zusammenhang mit der Untreue-Affäre sechs aktive und ehemalige Siemens- Mitarbeiter verhaftet, darunter einen ehemaligen Bereichsvorstand der Telekommunikationssparte Com. Rund ein Dutzend Verdächtige sollen über Jahre mehr als 200 Millionen Euro veruntreut und auf Auslandskonten geschafft haben. Ermittlungen gibt es auch in Österreich, Italien und der Schweiz. Einer der Beschuldigten soll bereits Schmiergeldzahlungen zugegeben haben. Ein langjähriger Angestellter habe ausgesagt, Siemens habe den früheren Präsidenten von Nigeria, Sani Abacha, bestochen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Zur Begründung führte er an, in Afrika und anderen Teilen der Welt seien Aufträge oft nur so zu bekommen.

Die CSU forderte Siemens zur „raschen und vollständigen“ Aufklärung des Skandals um schwarze Konten auf. „Gegen solche Machenschaften muss man hart durchgreifen“, sagte Generalsekretär Markus Söder dem Tagesspiegel. „Es ist wichtig, dass Siemens-Chef Kleinfeld hier mit eisernem Besen kehrt. Denn hier steht die Glaubwürdigkeit eines der wichtigsten deutschen Unternehmen auf dem Spiel.“ Auch aus der SPD war Kritik an Heinrich von Pierer, dem Vorgänger von Klaus Kleinfeld und jetzigen Aufsichtsratschef laut geworden.

Unterdessen gibt es auch wieder gute Nachrichten aus dem Hause Siemens: Am Freitag konnte der Konzern einen neuen Auftrag aus Australien mitteilen. Dort soll Siemens Power Generation zwei Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke errichten. Auftragsvolumen: eine Milliarde Dollar (772 Millionen Euro). Tsp

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