Wirtschaft : Weitere Personalquerelen an der Opel-Spitze

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Personalquerelen bei Opel nehmen kein Ende.Nachdem in der letzten Woche bekannt geworden war, daß die Opel-Mutter General Motors (GM) den erst im Juli berufenen neuen Opel-Chef Gary Cowger schon wieder nach Amerika zurückholen will, wirft jetzt Opel- Aufsichtsratschef Hans Wilhelm Gäb das Handtuch.Weder Gäb noch Opel wollten am Donnerstag entsprechende Meldungen kommentieren.

Beobachter vermuten, daß der Rücktritt von Gäb mit der Absicht von GM zusammenhängt, den neuen Opel-Chef nach nur drei Monaten schon wieder abzulösen und Opel-Vorstandsmitglied Peter Hanenberger zum neuen Vorstandsvorsitzenden zu küren.Bei Opel ist man über die anhaltende Unruhe in der Führungsetage alles andere als erfreut.Im Betriebsrat war man am Donnerstag überrascht über die Rücktrittsabsichten von Gäb.Auch dort wollte man die Entscheidung des im Juli 1997 an die Spitze des Opel-Kontroll-Gremiums gerückten Gäb nicht kommentieren.Die Verärgerung bei Opel ist auch deshalb groß, weil sie dem Autobauer im Wettbewerb mit dem europäischen Hauptkonkurrenten VW nicht gerade hilft.1997 war Opel mit fast 230 Mill.DM in die roten Zahlen gerutscht, allerdings bedingt durch Rückstellungen für den bis 2002 geplanten Abbau von mehreren tausend Arbeitsplätzen.Opel konnte 1997 aber auch im reinen Fahrzeuggeschäft keinen Gewinn erwirtschaften.In diesem Jahr soll vor allem der neue Astra wieder für schwarze Zahlen sorgen.

Gäb gilt bei Opel als besonnener und angesehener Manager.Um so mehr sorgt seine Entscheidung für Unruhe.Gäb sitzt seit 1987 im Aufsichtsrat von Opel, seit Juli 1998 ist er Vorsitzender.Zu Opel kam der 62jährige schon 1981.Er hat sich dort im Vorstand um die Beziehungen des Unternehmens zur Öffentlichkeit und zur Regierung gekümmert.1982 wurde er Vorstandsmitglied, 1986 wechselte Gäb zur Europa-Zentrale von GM nach Zürich, wo er Vize-Präsident für Public Affairs wurde.Zu seinen Aufgaben gehörte auch das umfangreiche Sponsor-Engagement von Opel im Sportbereich.Erst in der vergangenen Woche war durchgesickert, daß GM-Chef John Smith den Opel-Vorstandsvorsitzenden Gary Cowger nach nur drei Monaten schon wieder in die GM-Zentrale nach Detroit zurückholen will, damit er dort das angekratzte Verhältnis mit den Gewerkschaften in den Griff bekommt.GM war im dritten Quartal nach einem mehrwöchigen Streik kräftig in die Miesen gerutscht.Über eine mögliche Abberufung Cowgers muß vor allem Gäb verärgert sein, weil er sich für die Berufung des Amerikaners stark gemacht hatte.Noch mehr muß Gäb stören, daß angeblich Opel-Vorstandsmitglied und Entwicklungschef Hanenberger neuer Vorstandsvorsitzender in Rüsselsheim werden soll.Hanenberger ist bei der Belegschaft nicht besonders beliebt, ihm werden diverse Versäumnisse wie Qualitätsprobleme oder Rückrufaktionen zugeschrieben.Cowger wiederum hatte Anfang Juli in Rüsselsheim David Herman abgelöst, der sechs Jahre an der Spitze von Opel gestanden hatte.Herman versucht derzeit das Geschäft von Opel in Rußland und in der GUS auf Touren zu bringen.Seine geschäftlichen Erfolge in Rüsselsheim waren nicht überwältigend.Dafür hatte sich Herman hohes Ansehen bei der Belegschaft erarbeitet.In zwei Standortverträgen gab er den Beschäftigten wichtige Garantien, obwohl er damit auch den sozialverträglichen Abbau von mehreren tausend Arbeitsplätzen bis 2002 durchdrückte.Herman machte sich in Detroit für den Standort Deutschland stark, setzte den Bau einer neuen Opel-Zentrale in Rüsselsheim und ein milliardenschweres Investitionsprogramm für die Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern durch.

Gary Cowger hat sich in Rüsselsheim gerade erst eingearbeitet.Die Belegschaft steht ihm aufgeschlossen gegenüber.Vor Bekanntwerden der jüngsten GM-Personalpläne und der Rücktrittsabsichten von Gäb war klar geworden, daß sich die Stellung von Opel innerhalb von GM verändern würde.Fortan sollen die Rüsselsheimer nicht mehr für die Entwicklung aller Fahrzeuge zuständig sein, die von GM außerhalb Nordamerikas verkauft werden.Opel soll sich auf Europa konzentrieren."Die Auswirkungen werden positiv sein.Opel und sein Entwicklungszentrum können sich jetzt noch stärker auf ihr Kerngeschäft, den deutschen und den europäischen Markt, konzentrieren", meinte Cowger Anfang Oktober.In Rüsselsheim war man auch deshalb von dieser Entscheidung angetan, weil sie mit der Versetzung und Degradierung des früheren Opel-Chefs Louis Hughes aus der GM-Europa-Zentrale in Zürich verbunden war.

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