Wirtschaft : Weitere Risiken belasten Bankgesellschaft

Die Kosten sinken, aber Rückstellungen und Abschreibungen halten das Institut in den roten Zahlen

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Berlin (hop). Die Sanierung der Bankgesellschaft Berlin kommt langsam voran. „Die Bank hat Handlungsfähigkeit zurückgewonnen“, sagte Vorstandschef HansJörg Vetter am Donnerstag in Berlin. Er halte an der Prognose fest, dass der operative Verlust vor Steuern im Geschäftsjahr 2002 im Vergleich zum Vorjahr mindestens halbiert werde. 2001 lag er noch bei 634 Millionen Euro. Im kommenden Jahr strebe die Bankgesellschaft operativ weiterhin ein ausgeglichenes Ergebnis an, sagte Vetter. Unter dem Strich könnte im Zuge zusätzlicher Belastungen und Abschreibungen aber weiterhin ein Verlust stehen.

Dank fallender Verwaltungsausgaben weist der Konzern für die ersten neun Monate des laufenden Jahres einen operativen Verlust (siehe Lexikon auf Seite 18) von „nur“ noch 162 Millionen Euro aus. Im Vorjahr betrug das Minus in der gleichen Zeit 276 Millionen Euro. Wegen hoher Abschreibungen unter anderem auf Anlagevermögen beträgt der Konzernverlust nach Steuern jedoch 563 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag der Verlust nur bei 366 Millionen Euro.

Die schwierige Lage an den Kapitalmärkten belaste auch das Berliner Institut sagte Vetter. Das Nettoergebnis aus Finanzgeschäften rutschte im dritten Quartal 2002 erneut ins Minus. Der Verlust belief sich auf 68 Millionen Euro. Im zweiten Quartal war noch ein kleiner Gewinn von 25 Millionen Euro angefallen.

Auch der Zinsüberschuss und der Provisionsüberschuss waren rückläufig. Der Zinsüberschuss erreichte für die ersten neun Monate in diesem Jahr 1,274 Milliarden Euro, 3,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dies liege auch daran, dass die Bankgesellschaft wesentlich geringere Zinsrisiken eingegangen sei. Beim Provisionsgeschäft schlage sich unter anderem der Rückzug aus dem Auslandsgeschäft nieder, sagte Vetter. In den ersten drei Quartalen 2002 verdiente der Konzern hier 256 Millionen Euro, rund elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Sehr zufrieden zeigte sich Vetter mit den Anstrengungen zur Kostensenkung: „In diesem Jahr sind wir wieder auf dem Niveau von 1997.“ Etwa die Hälfte des bis 2005 geplanten Personalabbaus sei bereits realisiert worden. Seit Jahresanfang bis Ende September sank die Zahl der Mitarbeiter im Konzern um 1434 auf 15 051. Bis Jahresende werden weitere 200 Beschäftigte gehen. Doch werde auch bei den übrigen Kosten gespart. Im Vergleich zum ersten Quartal des laufenden Jahres ist bereits ein deutlicher Rückgang der Verwaltungsaufwendungen zu sehen – von 419 Millionen Euro auf nunmehr 367 Millionen Euro im dritten Quartal.

Doch reichen die Einsparungen nicht aus, um Belastungen aus Risikokrediten und aus der negativen Entwicklung von Finanzanlagen auszugleichen. Denn für die Risikovorsorge stellte die Bankgesellschaft 163 Millionen Euro ein, für die ersten neun Monate beträgt sie damit insgesamt 394 Millionen Euro – mehr als bisher geplant. Die Belastungen stammen vor allem aus dem Immobiliengeschäft, erläuterte Vetter. Insgesamt gebe es problembehaftete Bestände von rund fünf Milliarden Euro im gesamten Konzern, die zu mehr als 2,5 Milliarden in der Risikovorsorge abgesichert seien. Hohe Abschreibungen müssten außerdem auf Fonds vorgenommen werden, die die Bankgesellschaft auf Basis des Börsenindex Eurostoxx 50 erworben hat. Bisher seien 216 Millionen Euro dafür in die Bilanz eingebucht worden, bis Ende des Jahres könnten die Abschreibungen auf diese Anlagen insgesamt bis zu 320 Millionen Euro betragen.

Die Bankgesellschaft komme daneben mit dem Verkauf von Tochtergesellschaften voran, sagte Vetter. Bei der Zivnostenska Banka warte der Konzern auf die Zustimmung der tschechischen und italienischen Zentralbank. „Das ist aber nur noch Formsache“, sagte Vetter. Außerdem stünden der Verkauf der Allbank und der Beteiligung an der Deka Bank kurz bevor.

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