Wirtschaft : Weitere Risiken für die Telekom

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Köln/Frankfurt (Main) (dpa/rtr). Die Deutsche Telekom versteckt nach einem Bericht des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“ in ihrer Bilanz einen zweistelligen Milliarden-Verlust. Grund hierfür sei die US-Mobilfunktochter Voicestream, die noch mit 35 Milliarden Euro in den Büchern stehe. Nach Auffassung von Banken und Investmenthäusern sei Voicestream aber nicht einmal mehr die Hälfte wert. Börsenexperte Wolfgang Gerke von der Universität Erlangen/Nürnberg forderte den Vorstand auf, „der Öffentlichkeit in der Halbjahresbilanz reinen Wein einzuschenken“. Da die Telekom in diesem Jahr ohnehin nicht mit schwarzen Zahlen rechne, würde die Korrektur einen Verlust von 20 Milliarden Euro bedeuten. Ein Sprecher der Telekom sagte dagegen, dass unter dem neuen Vorstandschef Helmut Sihler bei Voicestream keine solche Abschreibung vorgenommen werde. Voicestream entwickle sich wie erwartet.

Analysten erwarten zudem, dass der Insolvenzantrag des TV-Kabelnetzbetreibers Kabel NRW die Position der Telekom bei der noch ausstehenden Veräußerung von sechs Kabel-TV-Regionen schwächen wird. Der Verkaufspreis für die restlichen sechs Regionen werde eher weiter sinken, sagten von Reuters befragte Analysten. Für den möglichen Erlös beim geplanten Verkauf der Netze gaben die Analysten sehr unterschiedliche Schätzungen ab, die von zwei bis 4,5 Milliarden Euro reichen.

Die Telekom verhandelt seit Monaten erneut mit einer Reihe von Investoren, um sich in einem zweiten Anlauf von den restlichen Kabelnetzen zu trennen. Im Februar hatte das Bundeskartellamt die Übernahme der sechs verbliebenen Netze durch die US-Mediengruppe Liberty Media für 5,5 Milliarden Euro untersagt. Kabel NRW hatte Ende vergangener Woche wegen Überschuldung einen Insolvenzantrag gestellt.

„Es gibt Interessenten für die Kabelnetze der Telekom“, sagte Analyst Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg. „Doch der Preis geht runter.“ Heinold rechnet mit einem Verkaufserlös zwischen zwei und drei Milliarden Euro. Vor Jahresende sei jedoch nicht mehr mit einer endgültigen Einigung zu rechnen.

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