Wirtschaft : Welche Chancen hat der deutsche Kandidat Koch-Weser?

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Der Vorstoß des US-Finanzministers Larry Summers, der sich nach Angaben der "Berliner Zeitung" mit der Begründung mangelder politischer Erfahrung in einem Regierungsamt gegen den deutschen Kandidaten Caio Koch Weser für das Amt des Präsidenten des Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgesprochen und den Deutschen im Gegenzug den Chefposten der Weltbank offeriert hatte, wird in Weltbank-Kreisen als unrealistisch bewertet. Erstens werde sich ein neuer Präsident der USA nicht das Recht nehmen lassen, selber zu entscheiden, ob die Amerikaner am Amt des Weltbankchefs, das sie traditionell aus den eigenen Reihen besetzen, festhalten wollen oder nicht. Und zweitens hatten sich die Mitgliedsstaaten der Weltbank unlängst erst dafür ausgesprochen, einer zweiten Amtsperiode des amtierenden Weltbankchefs James Wolfensohn zuzustimmen. Im Übrigen sind die Deutschen mit Peter Woicke als Direktor in der zweiten Führungsebene der Weltbank hier gut vertreten.

Der 55jährige deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser galt bislang als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden IWF-Chefs Michel Camedessus. Angeblich sollen sich die Briten bereits für den deutschen Kandidaten ausgesprochen haben, während Amerikaner und Franzosen Vorbehalte gegen die Besetzung des IWF-Chefpostens durch einen deutschen Kandidaten hegen. Dagegen spräche allerdings, dass Großbritannien mit Schatzkanzler Gordon Brown, dessen Vorgänger Kenneth Clarke und dem Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Andrew Crockett, selber drei Kandidaten für die Camdessus-Nachfolge stellt, die Franzosen hingegen keinen. Beobachter gehen davon aus, dass die Chancen für Caio Koch-Weser umso stärker schwinden, je länger das Gerangel um die Nachfolge des IWF-Chefs dauert.

Die Bemühungen Summers werden als Versuch gewertet, die Position des IWF zu schwächen. Eine Nominierung von Koch-Weser, der lange für die Weltbank arbeitete, unter anderem von 1991 bis 1996 als Vizepräsident, könnte hingegen den IWF stärken. Amerika ist mit Abstand der größte Anteilseigner des Fonds. Es besitzt so viele Stimmen wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen.

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