Wirtschaft : Wellness: Wie Berliner den Großstadtstress hinter sich lassen

Claus-Dieter Steyer

Der Blick auf die Parkplätze rund um die drei Brandenburger Thermalbäder in Templin, Bad Saarow und Bad Wilsnack sagt alles. Unter den Autokennzeichen dominieren die Berliner, vor allem an Wochenenden machen die Großstädter mehr als die Hälfte der Besucher aus. Würde man die Gäste in den Wellness-Tempeln von Templin und Bad Saarow genauer befragen, fiele das Ergebnis noch eindeutiger aus. Denn viele ältere Menschen und Familien nutzen für die Anreise aus Berlin den Zug.

Zweifellos haben die drei großen Thermalbäder die Attraktivität Brandenburgs als Ziel für gesundheitsbewusste Ausflügler stark erhöht. Dazu kommen Wellness-Angebote in zahlreichen Hotels. 52 000 Arbeitsplätze hängen inzwischen unmittelbar vom Brandenburger Tourismus ab. Laut Wirtschaftsministerium lag der Bruttoumsatz in dieser Branche im Jahr 2000 bei 4,7 Milliarden Mark. Das bedeutete gegenüber 1999 einen Zuwachs um rund 500 Millionen Mark. Vor allem die auf 91 Millionen geschätzte Zahl von Tagesbesuchern trug zu dieser Steigerung bei.

Bad Saarows Kurdirektor Christian Kirchner fasst sein Motto in einem Satz zusammen: "Gesundheit soll Spaß machen". Dieser beginne in der 1998 eröffneten Saarow-Therme. Das Wasser für die drei miteinander verbundenen Becken kommt aus einer Tiefe von 450 Metern und enthält pro Liter 25 Gramm Mineralstoffe, vorwiegend Natrium und Chlorid. Geeignet vor allem für die Bade-Therapie, aber auch zur Behandlung des Bewegungs- und Stützapparates sowie von Haut- und Atemwegserkrankungen. Auch außerhalb des Bades hat sich der Kurort stark verändert. 700 Millionen Mark sind hier seit 1994 verbaut worden, 150 Millionen Mark davon waren Fördermittel.

Im Unterschied zu Bad Saarow bietet die für 68 Millionen Mark entstandene NaturTherme in Templin, 70 Kilometer nördlich Berlins, eine Kombination aus Gesundheits- und Spaßbad. Zwei Rutschen mit einer Länge von rund 200 Metern sowie besondere Becken locken auch den jugendlichen oder vitalen Gast in die Badewelt. "Eine Welt für sich", nennt der Templiner Kurdirektor Uwe Mohr die im November vergangenen Jahres eröffnete Anlage in der Uckermark. Genau 542 Besucher wären pro Tag erforderlich, um das Bad rentabel zu betreiben. Die bisherige Resonanz liegt bedeutend über diesem Wert.

Der jetzt noch starke Ansturm auf die drei Brandenburger Thermalbäder wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich etwas beruhigen. Künftig können auch Belzig, Rheinsberg und Neuruppin mit solchen teuren Attraktionen aufwarten.

Da es gerade in den Brandenburger Kurorten nicht an Hotelkapazitäten mangelt, braucht sich der an Wellness interessierte Großstädter nicht darauf beschränken. Ayurveda heißt vielerorts das Stichwort: Wie Buddha vor 5000 Jahren am Ganges kann sich der erschöpfte Gast beispielsweise im Ringhotel am See in Sommerfeld, 40 Kilometer nordöstlich Berlins am Rande des Rhinluchs gelegen, verwöhnen lassen.

Wellness-Offerten mit Sauna, Landthermen, Solarium, Massagen oder Kosmetik bieten das Romantik-Hotel "Zur Bleiche" im Spreewalddorf Burg, das Seminar- und Gesundheitshotel Reichenow im nordöstlich Berlins befindlichen Odervorland oder das im englischen Landhausstil errichtete Lakeside-Hotel Strausberg an. Gästen mit Ansprüchen an einen exklusiven Service kann das Fünf-Sterne-Hotel des Sporting Club Berlin in Bad Saarow empfohlen werden.

In den Hotels mit besonderen Angeboten liegt die Auslastung der Betten meist bedeutend höher als im Landesdurchschnitt. Dieser erreichte im vergangenen Jahr 33,5 Prozent, nach 31,6 Prozent 1999. Wirtschaftlich lässt sich ein Hotel laut Wirtschaftsministerium allerdings erst bei einer 50 vor dem Komma betreiben. Da müssen noch viele Wellness-Interessierte nach Brandenburg kommen.

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