Wirtschaft : Weltarbeitsmarkt: Afrika und Naher Osten sind vom Internet abgeschnitten

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) kann langfristig den Weltarbeitsmarkt revolutionieren, aber nur für wenige Entwicklungsländer einen Quantensprung bedeuten. Davon geht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) im Weltarbeitsbericht 2001 unter dem Titel "Arbeitsleben in der Informationswirtschaft" aus. Denn noch hätten viel zu wenig Menschen einen Internetzugang, um einen global ausgleichenden Effekt der Technologie auf den Arbeitsmarkt zu erreichen: Nur fünf Prozent der Weltbevölkerung nutzen das weltweite Datennetz, davon leben 88 Prozent nach ILO-Angaben in Industriestaaten. So stellten Afrika und der Nahe Osten zusammen gerade ein Prozent der Internetnutzer, es drohe eine "digitale Trennung" der Welt.

Die Zahl der Arbeitslosen lag weltweit bei 160 Millionen Menschen und damit um 20 Millionen höher als vor dem Höhepunkt der Asienkrise 1998. Insgesamt habe ein Drittel der arbeitsfähigen Weltbevölkerung keine oder keine angemessene Arbeitsstelle, deren Bezahlung den Lebensunterhalt sichern kann. Weltweit würden nach ILO-Angaben in den nächsten zehn Jahren mehr als 500 Millionen Jobs benötigt, um die Arbeitslosigkeit zu halbieren. Notwendig sei daher gezielte Politik hin zu mehr Beschäftigung, mahnte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. Wenn die Chancen der Informationstechnologie genutzt werden sollten, müssen alle Staaten den politischen Willen dazu entwickeln und mehr Zugang - etwa durch ein breites und bezahlbares Telefonnetz - bieten. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit der Zahl der Internetnutzer europaweit im Mittelfeld. Nach ILO-Statistiken waren 1999 rund 19,3 Prozent der deutschen Bevölkerung "online", den Spitzenwert erreichte Island mit knapp 54 Prozent Internetnutzern in der Bevölkerung. Mit je mindestens einem Drittel vernetzter Bürger liegen Finnland und alle skandinavischen Länder sowie die Schweiz und Großbritannien mit mehr als einem Fünftel vor Deutschland. In den USA sind knapp 40 Prozent und in Kanada etwa 36 Prozent der Bürger am Netz.

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