Wirtschaft : Weltbank ändert ihre Strategie

WASHINGTON (zz/HB).Die Weltbank konzentriert sich wegen der anhaltenden Krisen in Asien darauf, ihre Kreditnehmer bei der Bewältigung der sozialen Folgen der Turbulenzen zu unterstützen.Die Qualität der staatlichen Sozialdienste und der Fürsorge für die Armen soll auch in Krisenzeiten erhalten bleiben."Uns allen in der Weltbank hat diese Krise klargemacht, daß Finanz- und Sozialpolitik Hand in Hand gehen müssen", erklärt Weltbankpräsident James Wolfensohn im jetzt veröffentlichten Jahresbericht für 1997/98.Obwohl die Bekämpfung der Armut schon immer im Zentrum der Weltbankpolitik stand, hat sich ihr Engagement für die Armen im abgelaufenen Geschäftsjahr noch verstärkt.40,1 Prozent der vergebenen Kredite waren Investitionsvorhaben zugedacht, die direkt den Abbau der Armut unterstützen.

Die neu formulierten Ziele der Weltbankpolitik sind humanitäre Entwicklung, umwelt- und sozialpolitische Weiterentwicklung, Finanzen, Privatsektor und Infrastruktur sowie Abbau der Armut und wirtschaftliches Management.Dabei steht die Hilfe für die Entwicklungsländer bei der Verbesserung des Umweltmanagements auf der Prioritätenliste ganz vorn.

Die Weltbank hat ihre Kreditzusagen im vergangenen Geschäftsjahr von 14,5 Mrd.Dollar auf den Rekordbetrag von 21,1 Mrd.Dollar gesteigert, darunter allein 5 Mrd.Dollar für Korea.

Die Weltbank-Tochter International Development Association (IDA), die nur die ärmsten Länder mit langlaufenden und billigen Kredit bedient, erhöhte ihre Zusagen um 62 Prozent auf 7,5 Mrd.Dollar.Die Auszahlungen früher zugesagter Kredite sind in der gesamten Weltbankgruppe von knapp 20 auf 25,5 Mrd.Dollar gestiegen.

Der Gewinn der Weltbank ist nur von 1,285 auf 1,243 Mrd.Dollar gesunken, der langfristig rückläufige Trend hat sich aber fortgesetzt.Obwohl das Institut schon vor eineinhalb Jahren einen "Strategischen Pakt" zur inneren Reorganisation verabschiedet hat, steht die Bank weiter unter Druck.Gebühren und Kreditzinsen sollen weiter erhöht werden.

Bei der Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC), die private Investitionen in Entwicklungsländern fördert, hat die asiatische Krise im vergangenen Geschäftsjahr ebenfalls Spuren hinterlassen.Obwohl die Zahl der geförderten Projekte 1997/98 um 23 auf 226 und die bewilligten Mittel auf 5,1 Mrd.Dollar gestiegen sind, ist der Gewinn von dem Rekord von 432 Mill.Dollar im Vorjahr auf 246 Mill.Dollar zurückgegangen.Auch die IFC ist sich bewußt, daß sich ihre Rolle in der Finanzierung der Dritten Welt nach den Krisen in Asien ändern muß.Sie wird zwar weiter nach ihrem Gründungsauftrag das Wachstum in der Dritten Welt stärken, Privatinvestitionen finanzieren, Kapital mobilisieren und technische Hilfe geben.Aber sie ist nicht mehr die einzige Finanzquelle für Privatinvestitionen in der Dritten Welt.In den vergangenen sieben Jahren haben sich die privaten Kapitalflüsse in die Entwicklungsländer um den Faktor sechs erhöht.

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