Wirtschaft : Weltbank hat jetzt auch am Main ein Büro

ROLF OBERTREIS

FRANKFURT (MAIN) .Es hat lange gedauert.Doch nun endlich hat die Weltbank auch ein Büro in Frankfurt, untergebracht in den Räumen der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).Weltbank-Gouverneur Carl-Dieter Spranger, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, hat offenbar lange auf die Weltbank-Oberen in Washington eingeredet.

Jetzt haben seine Bemühungen Früchte getragen.Schließlich ist die Bundesrepublik für die mächtige Weltbank nicht irgendwer: Nach den USA und Japan ist sie der drittgrößte Kapitalgeber.Im vorigen Jahr hat die Bundesrepublik rund fünf Mrd.DM zu den Projekten der Weltbank in den Entwicklungsländern beigesteuert.Sie ist damit der zweitgrößte Partner bei Entwicklungsprojekten, die von der Weltbank und einem Staat gemeinsam finanziert werden.

Erst unter der Regie von Weltbank-Präsident James Wolfensohn, der seit Mitte 1994 an der Spitze der Institution steht, hat man im Washingtoner Hauptquartier erkannt, daß Europa und vor allem auch Deutschland mehr Beachtung finden sollten.Die Weltbank wende sich mehr zu Europa hin, sagt Spranger bei der Eröffnung des kleinen, mit gerade einem Vertreter besetzten Büros in Frankfurt.

Bis vor wenigen Jahren, zum Teil sogar bis heute wird die Weltbank - genauso wie der ebenfalls in Washington beheimatete Internationale Währungsfonds (IWF) - von der breiten Öffentlichkeit als amerikanische Institution eingeordnet, auch wenn sie von über 180 Staaten getragen wird.

Wolfensohn will diesen falschen Eindruck jetzt ausmerzen.Deshalb das Büro in Frankfurt.Deshalb auch ein neuer Weltbank-Vizepräsident Europa, der demnächst in Paris seine Arbeit aufnehmen wird.

In Frankfurt soll sich Weltbank-Büroleiter Oltmann Siemens vor allem um Kontakte zum deutschen Mittelstand bemühen und mittlere und kleinere Firmen für ein Engagement in Entwicklungsländern gewinnen.Eine Sache, die sich durchaus auszahlen kann.Deutsche Großunternehmen sind längst zu einem wichtigen Partner der Weltbank geworden.

Die Geschäftsbeziehung lohnt sich: Aufträge der Weltbank im Wert von rund 1,7 Mrd.DM gingen im vergangenen Jahr fast ausschließlich an deutsche Großunternehmen.Damit war Deutschland zum ersten Mal wichtigstes Lieferland der Weltbank.Betrachtet man den deutschen Beitrag von 1,1 Mrd.DM, der im vorigen Jahr an die Weltbank überwiesen wurde, hat sich dies unter dem Strich mehr als ausgezahlt.

In Zukunft sollen Mittelständler diese Bilanz noch freundlicher gestalten.Noch nutzten sie nicht ihre Möglichkeiten, sagt Spranger.Die Weltbank ist generell bemüht, mehr private Investoren für die Entwicklungshilfe zu gewinnen.Dies wird immer wichtiger, weil die öffentlichen Mittel für die armen und ärmsten Länder immer knapper werden, auch in Deutschland.1996 lag die staatliche Entwicklungshilfe der Industrieländer bei 77 Mrd.DM, aus privaten Quellen dagegen flossen 450 Mrd.DM in den Süden, sechs Mal mehr als 1990.70 Prozent dieses Geld konzentriert sich allerdings auf ein Dutzend Länder - nämlich auf China, Brasilien und Staaten in Südostasien, und zudem noch auf wenige Branchen.Das gebeutelte Schwarzafrika sieht praktisch keinen Pfennig.Dieses Ungleichgewicht will die Weltbank auch mit Hilfe des deutschen Mittelstandes beheben.

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