Wirtschaft : Weltbank: Keine Armut mehr ab 2030

Eine Milliarde Menschen leben von weniger als 1,25 Dollar am Tag.

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Washington - Die Weltbank will den Kampf gegen die Armut forcieren. Bis 2020 soll die Zahl der Menschen, die von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben, auf neun Prozent der Weltbevölkerung halbiert werden, sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim am Donnerstag anlässlich der Jahresversammlung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington. Dies sei ein Zwischenziel auf dem Weg, bis 2030 die extreme Armut komplett zu beseitigen. Kim forderte auch deshalb die USA auf, ihren Haushalts- und Schuldenstreit bis zum Wochenende zu beenden. Sollte er andauern, hätte dies gravierende Folgen.

Ähnlich äußerte sich IWF-Direktorin Christine Lagarde. Beide bemühten sich aber, die USA nicht zu sehr an den Pranger zu stellen. Weder der IWF noch die Weltbank würden Empfehlungen geben, wie der Streit politisch zu lösen sei. Aber man weise auf die möglichen Folgen hin und bereite die Mitgliedsländer beider Organisationen auf solche Folgen vor. Der Weltbank-Präsident erinnerte daran, dass beim letzten „Shutdown“ im August 2011 die Refinanzierungskosten der Schwellen- und Entwicklungsländer um 0,75 Prozentpunkte gestiegen und dort die Kurse an den Börsen um 15 Prozent gesunken seien.

Lagarde zufolge würden anhaltende Finanzprobleme in den USA oder gar eine Zahlungsunfähigkeit die Erholung der Weltwirtschaft bremsen. Auch in Europa, das gerade den Weg aus der Rezession finde, würde es Bremsspuren geben.

Mit Blick auf den allmählichen Ausstieg aus der großzügigen Geldpolitik sei die internationale Kooperation wichtig. Die US-Notenbank Fed müsse beim Zurückfahren der derzeit monatlichen Käufe von US-Staatsanleihen und Immobilienpapieren im Volumen von 85 Milliarden Dollar vorsichtig agieren. Der IWF biete generell für die notwendige internationale Zusammenarbeit von Notenbank und Finanzpolitik eine Plattform. Freilich hatte der IWF noch in den vergangenen Tagen die Europäische Zentralbank aufgefordert, die Zinsen weiter zu senken, um die Krise in Südeuropa zu überwinden.

Kim betonte das Interesse der USA an der Überwindung der extremen Armut. „Schließlich gehen 50 Prozent der amerikanischen Exporte in die Entwicklungsländer.“ Mit dem neuen Zwischenziel der Weltbank würde die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen zum ersten Mal in den einstelligen Prozentbereich sinken. „Wir reden jetzt davon, die Armut in nur sieben Jahren um die Hälfte zu reduzieren. Das ist eine Riesenaufgabe.“ Trotz erheblicher Erfolge in den vergangenen Jahrzehnten müssten immer noch eine Milliarde Menschen von 1,25 Dollar oder weniger pro Tag leben, in den ärmsten Ländern sogar 100 Millionen mehr als vor 30 Jahren, darunter allein 400 Millionen Kinder. Die Weltbank will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich Chancen für die Einkommensschwächsten in den Schwellen- und Entwicklungsländern deutlich verbessern.

Der Entwicklungsausschuss, das Aufsichtsgremium der Weltbank, soll am Samstag einen 50-Punkte-Plan Kims verabschieden, mit dem die Weltbank selbst ihre Verwaltungs- und Projektkosten in Washington und in den Ländern, in denen sie aktiv ist, um 400 Millionen Dollar oder acht Prozent verteilt über drei Jahre reduzieren will. Rolf Obertreis

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