Wirtschaft : Weltbörse GEM: Börsenhandel rund um den Globus geplant - Ohne Beteiligung von Frankfurt (Main)

Zehn bedeutende Börsen von New York über Tokio bis Paris wollen sich zur Weltbörse GEM zusammenschließen, die rund um die Uhr mit Aktien und Wertpapieren handelt. Nicht dabei sind die Märkte in Frankfurt (Main) und London, die gemeinsam die Börse iX bilden wollen und mit der US-Technologiebörse Nasdaq über ein ähnliches Projekt wie GEM sprechen. An dem "Global Equity Market" (GEM) sollen in Amerika die New Yorker Börse Nyse, die führende Latino-Börse in Sao Paulo (Brasilien) und die Märkte in Mexiko-Stadt und Toronto (Kanada) teilnehmen. Europa ist durch Paris, Amsterdam und Brüssel vertreten, die gemeinsam den Markt Euronext bilden wollen. Aus Fernost sind die asiatischen Leitbörsen Tokio und Hongkong mit von der Partie. Dazu kommt noch der Aktienmarkt von Australien. Das teilte die Nyse, der weltgrößte Wertpapiermarkt, am Mittwochabend mit.

"Das Projekt GEM ist der erste Versuch, eine Weltbörse zu schaffen, die rund um die Uhr arbeitet", sagte der Euronext-Präsident Jean-François Theodore in Paris. "Euronext ist bereit, sein elektronisches Netz, worüber es bereits mit Toronto und Sao Paolo verbunden ist, auf ähnliche Systeme in anderen Zeitzonen auszuweiten."

Ein Sprecher der Pariser Börse sagte, das Projekt werde derzeit in Arbeitsgruppen vorbereitet. "Der Global Equity Market erleichtert den Zugang zu den internationalen Finanzmärkten und ermöglicht dadurch erhebliche Zeiteinsparungen sowie Kostensenkungen."

Über GEM sollen Aktien von Firmen mit einem Börsenwert von insgesamt 20 000 Milliarden US-Dollar gehandelt werden. Das entspricht nach Angaben der New Yorker Börse 60 Prozent des Gesamtwertes aller weltweit notierten Aktien. Langfristig sollen Aktien von 1000 Firmen notiert werden.

Die GEM würde in Konkurrenz zur elektronischen US-Börse Nasdaq treten, dem zweitgrößten Wertpapiermarkt der Welt. Die Nasdaq strebt ebenfalls ein weltweites Handelssystem an, in das die London Stock Exchange und die Deutsche Börse AG eingebunden werden sollen. Über das Joint Venture sollen auch US-Technologieaktien in Europa gehandelt werden. Noch im Juni wird die Nasdaq zudem die Nasdaq Japan Inc. eröffnen, ein Joint Venture mit der japanischen Internet-Investmentfirma Softbank Corp. Vor wenigen Tagen eröffnete die Nasdaq in Hongkong den Handel mit Aktien von Intel und sechs ihrer anderen größten Unternehmen.

Wann der GEM-Handel beginnen könnte, ist unklar. "Wir haben uns bisher auf eine Vision geeinigt, aber wir müssen noch eine Reihe technischer Fragen klären", sagte Theodore, der auch Chef von Euronext werden soll. Es gehe nicht um eine Fusion oder Allianz, sondern um das Projekt eines weltweiten elektronischen Buchungssystems. Technisch könnte dies über das vollautomatisierte Euronext-Handelssystem erfolgen. Es wurde von der Firma Tandem Computers entwickelt, die auch die Nyse-Handelsplattform geschaffen hat. Probleme bereiten aber auch die unterschiedlichen rechtlichen und organisatorischen Regeln der beteiligten Börsen.

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